Paradise Papers: Paradebeispiel für die zunehmende Bedeutung des Datenjournalismus

09.11.2017

Seit dem vergangenen Sonntag dominiert ein Thema die Medienlandschaft: die sogenannten Paradise Papers. Die Enthüllungen über Steuertricks von Politikern, Konzernen und Superreichen in aller Welt zeigen die zunehmende Bedeutung des Datenjournalismus im digitalen Zeitalter.

Die Zahlen zu den Paradise Papers sind beeindruckend: 13,4 Millionen Dokumente, mehr als 380 Journalisten, ein Jahr Recherche. Maßgeblich beteiligt an dem journalistischen Scoop waren die Redakteure Frederik Obermaier und Bastian Obermayer von der "Süddeutschen Zeitung". Aus ihrem Bericht über die Hintergründe der Paradise-Papers-Recherchen lassen sich zwei wesentliche Erkenntnisse für den Journalismus im Jahr 2017 ableiten:

Erstens zeigt sich, dass die internationale Zusammenarbeit von Journalisten in der heutigen Zeit immer wichtiger wird. "Durch den kollaborativen Charakter der Recherche sind aus den Daten mehr und bessere Geschichten entstanden, und weitere werden entstehen", so die beiden Journalisten. Konkret teilte die SZ die Daten, die ihr zugespielt wurden, mit dem International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) in Washington. Dies war schon bei den sogenannten Panama Papers der Fall. Zu den Medien, die sich im aktuellen Fall an den Recherchen beteiligten, gehören die "New York Times", der "Guardian" und "Le Monde".

Zweitens sind die Recherchen zu den Paradise Papers ein Beleg dafür, dass die Auswertung großer Datenmengen von wachsender Bedeutung für den Journalismus ist. Hinsichtlich der Frage, wie die Paradise Papers ausgewertet wurden, geben die beiden SZ-Redakteure an:
"Die Paradise Papers bestehen aus Dutzenden verschiedenen Dateiformaten: E-Mails, PDFs, Textdokumente, Bilder, Datenbankdateien. Um sich in diesem Wust aus Daten zurechtzufinden, setzte die Süddeutsche Zeitung wie schon bei den Panama Papers auf die Software Nuix, mit der auch internationale Ermittlungsbehörden arbeiten. Das Programm ermöglicht die einfache Suche in allen Datenbeständen und den Abgleich mit Listen wichtiger Personen und Firmen."
Auch andere Journalisten, die an den Recherchen zu den Paradise Papers beteiligt waren, betonen die datenjournalistische Dimension des Projekts. Monika Wagener, die das Investigative Ressort des Westdeutschen Rundfunks leitet, konzediert in einem Interview: "Die größte Herausforderung war es diesmal, der Datenmenge überhaupt Herr zu werden und die komplexen Konstruktionen zu verstehen."

Fazit: Wie bereits frühere Enthüllungen wie die Offshore Leaks (2013), die Lux Leaks (2014), die Swiss Leaks (2015) und die Panama Papers (2016) zeigen auch die Paradise Papers, dass globale Rechercheprojekte von Journalisten nur kooperativ bewältigen werden können. Die riesigen Datenmengen, die bei den Paradise  Papers ausgewertet wurden,  belegen eindrucksvoll, dass Journalisten heutzutage  datenjournalistisches Know-how besitzen müssen.

Hörtipp zu den Paradise Papers:

? Die NDR-Info-Reporter Benedikt Strunz und Philipp Eckstein geben in ihrem Podcast "Paradise Papers" Einblicke in ihre Recherchen aus dem Schattenreich der Steueroasen.

Lesetipp zum Datenjournalismus:

? Einen kurzweiligen Einstieg für Anfänger in das Thema  bietet der Autor Lorenz Matzat in seinem 2016 erschienen Buch "Datenjournalismus. Methode einer digitalen Welt".