Klassische versus "alternative" Medien:Das Filterblasen-Experiment von "Zapp"

19.09.2017

Das NDR-Medienmagazin "Zapp" hat Ende August ein interessantes Social-Media-Experiment gestartet: Bis zur Bundestagswahl am kommenden Sonntag stellt die Redaktion zwei Facebook-Filterblasen von klassischen und sogenannten alternativen Medien gegenüber.

Ausgangspunkt für das "Zapp"-Experiment war die Diskussion darüber, inwieweit Filterblasen wahlentscheidend sein können. Den Begriff „Filterblase“ hat der Internetaktivist Eli Pariser geprägt: In seinem 2012 erschienen Buch "Filter Bubble. Wie wir im Internet entmündigt werden" beschreibt er das Phänomen als eine Isolation gegenüber Informationen, die nicht dem Standpunkt des Benutzers entsprechen. Ursächlich hierfür seien Algorithmen von Konzernen wie Google, Facebook oder Amazon, die dafür sorgten, dass Nutzer vor allem Inhalte angezeigt bekommen, die die eigene Meinung bestärken.

Insbesondere im Kontext der US-Präsidentschaftswahlen im vergangenen Jahr gab es rege Diskussionen über die tatsächliche Bedeutung von Filterblasen im Hinblick auf den Wahlausgang. Für den Blogger Sascha Lobo sind Filterblasen unter bestimmten Umständen „ein geradezu klassischer Nährboden der Radikalisierung – mit spürbaren Folgen für Wahlen." Studien aus den USA hingegen kommen zu dem Schluss, dass Filterblasen hinsichtlich der politischen Polarisierung keine große Rolle spielen.

„Zapp“ möchte nun im Vorfeld der Bundestagswahl herausfinden, wie sich die Situation in Deutschland darstellt. Hierfür wurden zwei Facebook-Filterblasen nachgestellt: In der einen werden die Facebook-Postings klassischer Medien wie "Zeit Online" oder "Faz.net" ausgespielt. In der zweiten Facebook-Filterblase laufen Postings sogenannter alternativer Medien zusammen – darunter Portale wie „RT Deutsch“, „Epoch Times“ oder die „Deutschen Wirtschafts Nachrichten“. Die Webseiten wurden als alternative Medien ausgewählt, wenn sie sich selbst als solche bezeichnen, sich also z. B. gegen den „Mainstream“ positionieren.

Beide News-Feeds kann der Nutzer nach den fünf Themenfeldern „Gesellschaft, "Außenpolitik", "Wirtschaft", "Medienkritik" und „Gesundheit“ sortieren. Die News-Feeds werden von ZAPP nach den genannten fünf Themen kuratiert und nach der Frage, ob sich die Inhalte im Rahmen der Meinungsfreiheit bewegen.

Die Auswertung des Social-Media-Experiments dürfte spannend werden. Schon jetzt lohnt sich der Vergleich beider Filterblasen: Er zeigt, wie unterschiedlich Vertreter von klassischen und „alternativen“ Medien politische Sachverhalte gewichten und bewerten. Und: Er offenbart das krude Weltbild der sogenannten alternativen Medien.

Wer sich selbst ein Bild machen will: https://live.flyp.tv/ndr/filter-zapper-1/index.html