Kampf gegen Fake News: Faktencheck-Einheiten auf dem Vormarsch

16.06.2017

In den vergangenen Monaten sind insbesondere von öffentlich-rechtlichen Medien zahlreiche Faktencheck-Einheiten gegründet worden, die sich dem Kampf gegen Fake News verschrieben haben. Ein Überblick über die verschiedenen Initiativen und ihre Vorgehensweisen.

Sie heißen  „Faktenfinder" (ARD), "BR Verifikation" oder "#ZDFcheck17". Und sie haben alle dieselbe Agenda: Sie wollen bewusst gegen Falschmeldungen vorgehen, die im Internet kursieren, und so das Vertrauen in die etablierten Medien stärken. Dass dies notwendig ist, konstatiert auch die Journalistik-Professorin Marlis Prinzing im Interview mit dem "Fachjournalist": "Im Onlinejournalismus muss der Handwerkskasten noch etwas verfeinert werden. Die Frage, wie man Meldungen aus den sozialen Medien verifizieren kann, steht hier ganz oben."

First Draft Coalition

Neben den eben genannten nationalen Initiativen gibt es auch internationale Projekte gegen Fake News. Ein Beispiel ist die sogenannte "First Draft Coalition": Das Bündnis aus Medien, Technologieunternehmen und Nichtregierungsorganisationen will sich gegenseitig bei Recherche und Verifikation in den sozialen Medien unterstützen. Maßgeblich mitfinanziert wird der Zusammenschluss vom Google News Lab. Zu den deutschen Mitgliedern zählen neben ARD und ZDF auch die Deutsche Welle, die Deutsche Presse-Agentur (dpa) und "Zeit Online".

Faktenfinder, BR Verifikation, #ZDFcheck17

Von den deutschen Projekten, die gezielt gegen Fake News vorgehen, scheint das ARD-Projekt "Faktenfinder" besonders ambitioniert zu sein. Der verantwortliche Projektleiter, der "Tagesschau"-Autor Patrick Gensing, beschreibt "Faktenfinder" in einem Blogbeitrag als "Knotenpunkt im ARD-Netzwerk", um dem Phänomen Fake News zu begegnen. Er wolle vor allem die regionale Kompetenz der ARD nutzen, denn die meisten gezielten Falschnachrichten verbreiteten sich zunächst lokal, so Gensing.

"BR Verifikation", die Anti-Fake-News-Initiative des Bayerischen Rundfunks, arbeitet dementsprechend eng mit den Kollegen von "Faktenfinder" zusammen. Das zweiköpfige Team unter der Führung von Stefan Primbs, Social-Media-Beauftragter des BR, experimentiert unter anderem auch mit innovativen Tools wie der Browser-Erweiterung "Factfox", die Social-Media-Manager bei der Beantwortung von Kommentaren unterstützen soll.
 
Das ZDF startete sein Projekt "#ZDFcheck17" explizit im Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl im September. Schon vor der Bundestagswahl 2013 und der Europawahl 2014 gab es solche Faktencheck-Formate des ZDF. Entsprechend betont ZDF-Chefredakteur Peter Frey auch: "Das Überprüfen von Informationen gehört seit jeher zum Kerngeschäft der ZDF-Redaktionen."

Und in der Tat ist das, was wir momentan vermehrt erleben, eigentlich klassisches journalistisches Handwerk. Oder wie es "Faktenfinder"-Projektleiter Gensing formuliert: "Wir machen journalistisches Handwerk der alten Schule in einer veränderten medialen Umgebung." Jede Meldung über eine neue Faktencheck-Einheit kann daher nur als förderlich für den Qualitätsjournalismus betrachtet werden. Denn dadurch wird letztlich auch das Vertrauen in die Medien zunehmen.