Blick voraus: Journalismus-Trends – und warum Medienkompetenz in Zukunft immer wichtiger wird

23.02.2017

Wie wird sich der Journalismus in den kommenden Jahren entwickeln? Diese Frage wird von Medienexperten immer wieder gerne diskutiert. Der Journalist Christian Jakubetz hat in seinem Blog vor Kurzem einige "Thesen zum Journalismus 2020" aufgestellt, die eine nähere Betrachtung wert sind und insbesondere für Nachwuchsjournalisten hohe Relevanz besitzen.

Eine Entwicklung, die bereits heute allgegenwärtig ist, beschreibt Jakubetz in seiner ersten These. Sie lautet: "Journalismus 2020 wird visueller". Seit geraumer Zeit ist in der deutschen Medienlandschaft eine "Bewegtbild-Offensive der Verlage" zu beobachten. Kaum ein Chefredakteur, der nicht betont, wie wichtig Videos im Social-Media-Zeitalter sind. Die Huffington Post Deutschland beispielsweise startete Ende vergangenen Jahres die Aktion "Video first", dabei wurde eine Woche lange jede Geschichte in Bewegtbildern erzählt. Der Grund für diese Aktion war eine Leserumfrage des Portals, wonach sich 40 Prozent der Nutzer wünschten, Inhalte nur noch in Videoform zu sehen.

Eng verbunden mit der Bewegtbild-Offensive ist eine weitere These Jakubetz', wonach der "Digital-Native-Style" den Journalismus verändern wird. Auch heute schon setzen viele Journalisten soziale Netzwerke wie Facebook oder Snapchat für ihre Berichterstattung ein. Als Arbeitsgerät wird dabei das Smartphone immer wichtiger – "Mobile Reporting" heißt das Stichwort. Da in den meisten Smartphones der heutigen Generation hochwertige Kameras integriert sind,  können diese in der Regel für die journalistische Arbeit verwendet werden. Mit etwas Zubehör hat der Reporter von heute somit "ein Studio in der Hosentasche". Hinzu kommt: Smartphones sind fast immer griffbereit, so kann der Journalist spontan – auch über unvorhergesehene Ereignisse – berichten.

Dass Medien im Jahr 2020 zu Communities werden, davon ist Jakubetz ebenfalls überzeugt. Auch diese Entwicklung hat stark mit dem Siegeszug der sozialen Medien zu tun. Auf Facebook, Twitter und Co. befinden sich Medienkonsumenten in der Regel in einer Filterblase. Das heißt, dass sie sich mit Gleichgesinnten umgeben, die ihre Ansichten teilen und bestätigen. In dieser Komfortzone fühlen sich Nutzer wohl. Jakubetz vertritt nun die Ansicht, dass Medien nicht nur eine Informationsquelle darstellen, sondern auch – ähnlich wie Onlinecommunities – eine Selbstbestätigungsquelle sind. Im Gegensatz zum Printzeitalter müssten die Medien jedoch ihre Leser als gleichwertige Mitglieder einer Gemeinschaft verstehen – und nicht einfach nur als "Abonnenten". Das bedeutet für Journalisten: Sie sollten mit ihren Lesern auf Augenhöhe kommunizieren – und nicht von oben herab, wie das mitunter in früheren Zeiten der Fall war.

Die eben beschriebene Entwicklung, dass Menschen in ihren Onlinecommunities verharren, kann jedoch auch eine Gefahr für Medien – und allgemeiner – die Demokratie bedeuten. Rechtspopulistische und verschwörungstheoretische Ansichten, die derzeit Konjunktur haben, bleiben im Netz oft ohne Widerspruch. Wie kann man diesem Problem Einhalt gebieten?
Eine Lösung ist die Förderung von Medienkompetenz. Hier setzen Angebote wie das öffentlich-rechtliche Portal "funk" oder das kürzlich vom MDR gegründete 360g an. Dieses möchte Mediennutzer dazu animieren, "einen 360-Grad-Rundblick aus die Medien zu werfen, anstatt nur einen Blickpunkt einzunehmen". Wenn möglich sollte die Medienkompetenz schon in den Schulen gefördert werden, denn je früher eine Bewusstsein für die Pluralität von Meinungen geschaffen wird, desto geringer die Gefahr, dass Menschen in Onlinecommunities kruden Thesen Glauben schenken.

Wie wird der Journalismus 2020 nun aussehen? Jakubetz' letzte These geht davon aus, dass Journalisten künftig verstärkt von ihren Nutzern bezahlt werden. Und tatsächlich geben jüngste Meldungen Anlass zur Hoffnung, dass immer mehr Menschen verstanden haben, dass Qualitätsjournalismus im Netz nicht umsonst sein kann: Sowohl die Süddeutsche Zeitung als auch die taz gaben vor Kurzem bekannt, dass ihre Paid-Content-Erlöse im vergangenen Jahr deutlich gestiegen sind. Keine so schlechten Aussichten also für den Journalismus 2020.