Medien-Analyse: Kritik an Berichterstattung über Germanwings-Absturz

15.04.2015

Auch drei Wochen nach dem Absturz des Germanwings-Flugs 4U9525 in Südfrankreich sind die Trauer und das Entsetzen groß. Ob die Medien in angemessener Form über die Katastrophe berichtet haben, wird derweil kontrovers diskutiert. So gingen beim Deutschen Presserat innerhalb von acht Tagen nach dem Absturz mehr als 400 Beschwerden über die Berichterstattung zu diesem Thema ein. Das "Munich Digital Institute" hat nun eine Medien-Analyse veröffentlicht, die zeigt, dass die Berichterstattung der großen Tages- und Wochenzeitungen – zumindest im sozialen Netzwerk Facebook – auffallend negativ bewertet wird.

Um die Reaktionen in den sozialen Medien zu messen, wurden exemplarisch die Facebook-Seiten von sechs großen deutschen Medien (SZ, FAZ, Bild, Spiegel Online, ZEIT Online und Die Welt) untersucht. Dazu wurden jeweils die Top-10-Beiträge – gemessen an den „Likes" – betrachtet und die darunter fallenden Kommentare bezüglich Tonalität, Grad der Sachlichkeit und dem Inhalt kategorisiert. Dabei kam heraus: Rund die Hälfte der in der Woche vom 24.03.-31.03.2015 veröffentlichten Kommentare enthält Kritik an der Berichterstattung. Die Kommentare bezogen sich am häufigsten auf das journalistische Niveau: Sogar vermeintliche Qualitätsmedien wie die FAZ oder die ZEIT wurden in diesem Zusammenhang als sitten- und pietätlos bezeichnet.

Für die Verfasser der Studie lässt dies folgenden Schluss zu: "Die Kritikpunkte der User sind zwar je nach Medium divers, insgesamt lässt sich jedoch ein Trend ablesen, dass die Leser allgemein Zweifel an der Zuverlässigkeit der Medien, an ihrer Glaubwürdigkeit und an ihrer Qualität zum Ausdruck bringen wollten."

Alle Ergebnisse der Untersuchung sind hier nachzulesen. Darüber hinaus hat das Munich Digital Institute Journalisten nach ihrer Sicht der Dinge befragt. Stefan Plöchinger (Chefredakteur von Süddeutsche.de), Lars Wallrodt (Welt) und Markus Hesselmann (Chefredakteur von Tagesspiegel.de) äußern sich dabei zur Berichterstattung der Medien nach dem Unglück.