Kurseinheit S030 Journalistische Finanzierungsmodelle

Kurseinheit
 
Lernziel Dieser Studienbrief stellt (aktuelle) Modelle dar, wie sich journalistische Produkte (im Internet) außerhalb der klassischen Anzeigenfinanzierung bezahlbar machen können. Es wird ein Überblick über verschiedene Bezahlmodelle gegeben, über welche Wege man sein Medienprodukt als Start-up auf den Markt bringt und welche Fördermöglichkeiten neue Medienunternehmen in Anspruch nehmen können.
Studienbriefautor Carolin Neumann, M.A.
Belegungsempfehlung Dieser Studienbrief wird Teilnehmenden empfohlen, die als freie Journalisten arbeiten und ein eigenes Medienunternehmen oder ein Medienprodukt auf den Markt bringen möchten.
Inhalte Verschiedene Bezahlmodelle, Finanzierungsmodelle und deren Mischformen, Unterschiede zwischen Redaktionen, Freien Journalisten, Unternehmern und Unternehmern von Start-ups, Fördermöglichkeiten und Gründungsformen von Medienunternehmen.
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Journalistische Finanzierungsmodelle

Die Medienbranche hat sich nach dem grandiosen Boom, den sie in den 1990er Jahren erlebt hat, in den vergangenen Jahren radikal verändert. Denn die Berufschancen sowie der Arbeitsmarkt für Journalisten hängen maßgeblich von der medienpolitischen und wirtschaftlichen Entwicklung ab. Der Boom begann bereits in den 1980er Jahren mit der Einführung von kommerziellen Rundfunksendern sowie der Ausweitung des Werbemarktes.

Nach der Jahrtausendwende setzte jedoch eine Trendwende ein: Der Neue Markt war zusammengebrochen und weltweit brach eine Konjunkturkrise an, was zur Folge hatte, dass die Werbebudgets drastisch zusammengestrichen wurden. Diese Entwicklung wiederum bedeutete eine massive Schwächung der Medien. Die Folge in den Medien waren drastische Einsparungen sowie massive Personalkürzungen. Bislang haben sich die Medien von diesem massiven Schnitt nicht erholt. Sie leiden nach wie vor unter einem Rückgang der Werbeeinnahmen und sinkenden Auflagenzahlen. Ein Grund dafür liegt auch im veränderten Nutzerverhalten. So beziehen vor allem junge Menschen ihre Informationen eher aus dem Internet und sozialen Netzwerken. Für die Medien bedeutet das: Sie müssen massiv über neue Finanzierungsmodelle nachdenken. Das gilt natürlich auch für Journalisten, die zunehmend als Freelancer statt in Festanstellung arbeiten. Gerade für Berufsanfänger sind deshalb Kenntnisse in mehreren Medien notwendig, positiv für die berufliche Zukunft sind darüber hinaus Spezialkenntnisse in bestimmten Fachgebieten. Darüber hinaus zeichnet sich der Trend ab, dass sich verschiedene Berufsfelder zunehmend vermischen, beispielsweise Journalismus und digitale Technik.

 

Grundlegendes zur Finanzierung

Gerade freiberufliche Journalisten müssen in der Lage sein, sich in ihre jeweilige Zielgruppe hineinversetzen zu können, um die richtigen Finanzierungsmodelle zu finden. Berücksichtigen müssen sie außerdem den technologischen und gesellschaftlichen Wandel, der von Journalisten mitgestaltet wird. Mit jeder technischen Neuerung, die sich in Bezug auf Informationen in der breiten Masse durchsetzen, müssen sowohl Journalisten als auch Verlage umdenken.

 

Die klassische Art der Finanzierung: Werbung

Die geläufigste Form der Finanzierung ist nach wie vor die Werbung, die sich bei unterschiedlichen Medien verschieden gestalten kann. Während in Zeitungen rechteckige Anzeigen in verschiedenen Größen üblich sind, erscheint die Werbung in Magazinen oft wie ein redaktioneller Artikel. Im Radio werden üblicherweise vor den Nachrichten Werbespots eingeblendet, während im Fernsehen regelmäßige Werbepausen ausgestrahlt werden. Online-Medien hingegen arbeiten mit Pop-ups, vorgeschalteten Werbeseiten, Werbeclips und ähnlichen Formen.

 

Das Abonnement

Vor allem für Printmedien spielen Abonnements eine wichtige Rolle im Finanzierungsmix. Schließlich bringen die Einnahmen aus den Abonnements eine gewisse Planungssicherheit mit sich. Nach diesem Modell funktionieren beispielsweise die Videoplattform Netflix oder der Fernsehsender Sky.

Bei digitalen Zeitschriften und Zeitungen sind Abonnements hingegen keine Selbstverständlichkeit mehr, hier wird eher der Begriff Paywall verwendet. Dabei handelt es sich um eine Bezahlschranke, die auf der Webseite installiert ist. Dabei unterscheidet man zwischen einer harten und einer freiwilligen Paywall. Ist eine harte Paywall installiert, so kann der Nutzer den Seiteninhalt nur komplett einsehen, wenn er dafür zahlt. Bei der freiwilligen Paywall muss das Fenster der Bezahlschranke lediglich weggeklickt werden und der Besucher kann den Seiteninhalt dennoch einsehen. Unterschieden wird hierbei zwischen dem Freemium-Modell und dem Metered-Modell. Bei ersterem handelt es sich um eine Mischung aus kostenpflichtigen und kostenlosen Inhalten auf der Seite. Beim Metered-Modell hingegen kann der Besucher eine bestimmte Zahl von Artikeln lesen, bevor er bezahlen muss.

 

Verdienen mit Verkaufserlösen

Weitere Möglichkeiten zur Finanzierung stellen Micropayment sowie das Prinzip der "Lousy Pennies" dar. Beim Micropayment bezahlt der Nutzer lediglich einen kleinen Betrag für den Beitrag, den er tatsächlich sehen, hören oder lesen möchte. Das Prinzip der "Lousy Pennies" wird vor allem von Online-Shops angewendet. Sie packen beispielsweise die Werbung ihrer Handelspartner in die Pakete und erhalten dafür ein- bis zweistellige Centbeträge je Aussendung. Die Finanzierung mit Kleinbeträgen stellt üblicherweise jedoch nur eine zusätzliche Säule im Finanzierungsmix dar.

 

Ist Crowdfunding eine Alternative?

Bei Crowdfunding, das auch als Schwarmfinanzierung bekannt ist, handelt es sich um eine relativ neue Form der Finanzierung. Diese funktioniert folgendermaßen: Auf sogenannten Crowdfunding-Plattformen werden Projekte vorgestellt, die anschließend von einer Vielzahl von Personen finanziert werden. Der Vorteil für die Investoren besteht darin, dass ihr Risiko relativ gering ist. Im Journalismus wird Crowdfunding in erster Linie genutzt, um Projekte wie etwa Dokumentarfilme oder investigative Reportagen zu finanzieren. Auch Blogger nutzen diese Form der Finanzierung gern, um neue Projekte an den Start zu bringen. Während in den USA und Holland bereits spezielle Crowdfunding-Plattformen für journalistische Projekte existieren, gibt es diese Möglichkeit in Deutschland noch nicht. Journalistische Projekte müssen hier auf allgemeinen Plattformen finanziert werden.

 

Fördergelder, Stiftungen und Spenden

Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, journalistische Projekte über Spenden und Stiftungen zu finanzieren. Insgesamt wird der Journalismus in Deutschland von 26 Verbänden und Stiftungen unterstützt. Selbst vom Staat kann es Geld geben. So können Reporter, Journalisten und Pressefotografen bis zu 23.000 Euro staatliche Zuschüsse erhalten, wenn sie sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig machen. Diesen Zuschuss, den sie frei verwenden können, erhalten sie steuerfrei und müssen ihn nicht zurückzahlen. Weitere staatliche Fördermöglichkeiten sind das Einstiegsgeld sowie der Gründungszuschuss. Beides wird von der Agentur für Arbeit ausgezahlt.

 

Auch für Start-ups gibt es Möglichkeiten

Weitere Finanzierungsmöglichkeiten gibt es für Journalisten, die ein komplett neues Medium starten wollen. Sie können beispielsweise Risikokapital in Anspruch nehmen. Dabei handelt es sich um außerbörsliches Beteiligungskapital, das von Beteiligungsgesellschaften bereit steht, wenn ein Projekt oder eine Unternehmung als besonders riskant gilt. Denn in diesem Fall haben die Betroffenen in der Regel keine Chance darauf, einen regulären Kredit bei ihrer Hausbank zu erhalten. Üblicherweise wir das Risikokapital als Eigenkapital oder in ähnlichen Formen wie etwa Wandelanleihen ins Unternehmen eingebracht. Nach einer bestimmten Zeit - meist handelt es sich um eine Spanne von zwei bis sieben Jahren - zieht sich der Kapitalgeber zurück und verkauft seine Anteile. Der Inhaber des Unternehmens hat aber meist auch die Möglichkeit, die Anteile selbst zurückzukaufen.

Zudem gibt es die Möglichkeit, die Starthilfe durch einen sogenannten Inkubator in Anspruch zu nehmen. Dabei handelt es sich um Einrichtungen, welche Existenzgründe auf dem Weg zum eigenen Unternehmen unterstützen. Vielfach sind diese Einrichtungen in sogenannten Gründerzentren untergebracht, in denen junge Unternehmer vielfältige Dienstleistungen - von Beratung und Coaching bis hin zur günstigen Miete von kompletten Büroräumen - in Anspruch nehmen können. Auch professionelle Business-Pläne werden von den Inkubatoren für junge Unternehmer erstellt. Mit diesem Service haben auch Medienschaffende eine sehr viel bessere Chance für einen guten Start in die Selbstständigkeit.

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