Kurseinheit S010 Existenzgründung für freie Journalisten

Kurseinheit
Lernziel Die Teilnehmenden sollen die juristischen und betriebswirtschaftlichen Grundlagen einer Existenzgründung kennenlernen, um auf dieser Grundlage in der Lage zu sein, sich als freie Journalisten selbstständig zu machen.
 
Studienbriefautor Svenja Hofert, M.A.
 
Belegungsempfehlung Dieser Studienbrief wird Teilnehmenden empfohlen, die als freie Journalisten arbeiten möchten.
 
Inhalte Die Geschäftsidee; Gesellschaftsformen; Verträge und Aufträge; Finanzen; Versicherungen und Künstlersozialkasse; Buchhaltung und Steuern; staatliche Förderungen; Wachstum; Fahrplan.
 
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Existenzgründung für freie Journalisten

Angehende Journalisten sollten sich schon während der Ausbildung mit dem Thema Existenzgründung beschäftigen. Der Grund dafür liegt in der Personalpolitik vieler Medienhäuser. Diese arbeiten aus wirtschaftlichen Gründen eher mit schlanken Redaktionen und einem festen Stamm freier Mitarbeiter. Dabei handelt es sich vielfach um eine rechtliche Grauzone, weil die Freelancer häufig in einem angestelltenähnlichen Dienstverhältnis mit ihrem Auftraggeber stehen. Welche Aspekte Journalisten auf dem Weg in die selbstständige Existenz berücksichtigen müssen, erfahren Sie in der Kurseinheit "Existenzgründung für freie Journalisten".

Warum ist eine Geschäftsidee notwendig?

Das Ausformulieren einer Geschäftsidee hilft dem angehenden Journalisten dabei, sich von vornherein eine gute Position auf dem Markt zu sichern, statt darauf angewiesen zu sein, von möglichen Auftraggebern von Termin zu Termin geschickt zu werden. Eine gewisse Spezialisierung auf ein bestimmtes Thema kann darüber hinaus auch für bessere Honorare sorgen. Will ich mit anderen Kollegen zusammenarbeiten, damit wir uns ergänzen können oder soll ich vielleicht auch noch einen Blog betreiben, der potenzielle Auftraggeber auf mich aufmerksam macht und mir vielleicht sogar ein zusätzliches Einkommen sichert? Diese Fragen sollten unter anderem beantwortet sein, bevor der angehende Journalist Kontakte knüpft und mit möglichen Auftraggebern spricht.

Gibt es eine "beste" Gesellschaftsform?

Welche Gesellschaftsform der freie Journalist wählt, hängt von mehreren Faktoren ab. Für einen freiberuflichen Journalisten, der alleine arbeitet, stellt die Rechtsform eines Einzelunternehmens die einfachste Variante der Existenzgründung dar. Der Grund: Bei dieser Unternehmensform ist keine Mindestkapitaleinlage notwendig, sodass der Freelancer auch in die Selbstständigkeit starten kann, wenn er zwar nur ein kleines Budget, aber dafür feste Auftraggeber hat. Auch von der Verwaltung her gilt diese als die einfachste Option, weil zur Ermittlung des Gewinnes und der Steuerlast im Normalfall eine einfache Gewinn- und Verlustrechnung ausreicht.

Schließt sich der freie Journalist dagegen mit einem Kollegen, einem Fotografen oder einem Kameramann zusammen, um gemeinsam Aufträge abarbeiten zu können, hat der Freelancer meist die Wahl zwischen einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts und einer sogenannten Partnerschaftsgesellschaft. Die Kompagnons benötigen in diesem Fall einen Gesellschaftervertrag, in dem die gegenseitigen Rechte und Pflichten ebenso aufgeführt sind, wie die Beteiligungen und Gewinnausschüttungen.

Wichtige Verträge

Angehende Freelancer müssen sich außerdem mit dem deutschen Vertragsrecht vertraut machen. In rechtlichen Fragen können sie sich zwar grundsätzlich auch an die einschlägigen Journalistenverbände (z.B. den DFJV) wenden, sofern sie Mitglied des Verbandes sind. Jedoch müssen sie auch ihren Geschäftspartnern gegenüber als kompetent auftreten können und sollten zumindest mit den wichtigsten Grundregeln vertraut sein.

Zum Vertragswesen werden auch die Zahlungspflichten gerechnet. So ist es bei den meisten Medienhäusern üblich, dass die Leistungen von freien Mitarbeitern aus verwaltungstechnischen Gründen zu einem bestimmten Stichtag ausgezahlt werden. Freelancer sollten also etwa darauf achten, dass der Mietvertrag und sonstige Verträge, durch welche sie Dienstleistungen Dritter in Anspruch nehmen, so gestalten, dass sie genügend Spielraum haben, um nicht in Zahlungsverzug zu kommen. Werks- und Dienstverträge, bei welchen die freien Journalisten sowohl als Auftraggeber als auch als Auftragnehmer auftreten können, sollten ihnen ebenfalls nicht fremd sein.

Verträge mit Auftraggebern und das Urheberrecht

Größtenteils werden die Aufträge im Journalismus relativ formlos vergeben. Wird ihnen beim Besuch in der Redaktion etwa mündlich der Auftrag erteilt, über ein bestimmtes Thema in einem bestimmten Umfang zu berichten, handelt es sich bereits um einen gültigen Vertrag. Sollte es bei der Vergabe aber zu Missverständnissen gekommen sein, kann das zu Schwierigkeiten führen, weil sich ein Nachweis darüber, wer im Recht war, nicht mehr erbringen lässt. Freelancer sollten deshalb zumindest eine schriftliche Bestätigung in Form einer Mail schicken, in welchem sie alle wichtigen Einzelheiten festhalten. Zumindest sollte zu Beginn der Zusammenarbeit schriftlich festgehalten werden, ob die Urheberrechte an das Medium übergehen oder beim Journalisten verbleiben. Dieser kann die Beiträge oder Fotos dann mehrfach nutzen.

Die Finanzen im Überblick

Auch ein Kassensturz sollte zu Beginn der Tätigkeit als Selbstständiger gemacht werden. Einen Anhaltspunkt dafür, welchen Stundensatz die Journalisten in ihrer Kalkulation ansetzen können, liefern etwa die Honorartabellen und Honorarleitfäden der Journalistenverbände. Wichtig für die Ermittlung der tatsächlichen Produktivtage sind private und betriebliche Ausgaben. Beides sollte in der ersten Kostenaufstellung großzügig angesetzt werden, um einen Puffer für unvorhergesehene Ausgaben zu haben.

Die Versicherungen

Zu den privaten und betrieblichen Ausgaben kommen außerdem Sozial- und sonstige Versicherungen hinzu. Den Antrag für die Aufnahme in die Künstlersozialkasse sollten freie Journalisten möglichst frühzeitig stellen, weil die Bearbeitung einige Monate dauern kann. Dann übernimmt der Staat etwa die Hälfte der Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung sowie für die gesetzliche Krankenkasse, andernfalls müssen die Freelancer die vollen Beiträge aus der eigenen Tasche bezahlen. Ein weiterer Kostenfaktor stellen die Beiträge für die Berufsgenossenschaft und die private Altersvorsorge dar, für die teilweise eine staatliche Förderung in Anspruch genommen werden kann. Ob weitere Versicherungen wie eine Berufshaftpflicht- oder Berufsunfähigkeitsversicherung Sinn machen, hängt vom Einzelfall ab.

Die Finanzen im Überblick

Ein leidiges Thema stellt für viele Freiberufler das Thema Buchhaltung und Steuern dar. Sie sollten sich aber dennoch zumindest in Grundzügen mit den Themen Buchhaltung und Steuerrecht beschäftigen, statt sich blind auf ihren Steuerberater zu verlassen. Die Umsatzsteuer etwa ist oft ein strittiges Thema. Denn in Deutschland gilt für künstlerische Leistungen ein ermäßigter Steuersatz. Ob die Tätigkeit jedoch als künstlerische Leistung anerkannt oder als Dienstleistung, für die der volle Satz fällig wird, angerechnet wird, handhaben die Finanzämter unterschiedlich. Der Steuerberater kann jedoch wertvolle Tipps geben, wie sich die Steuer optimieren lässt. Werden die Buchungen anschließend vom Journalisten selbst vorgenommen und der Steuerberater reicht die Unterlagen nur noch ein, halten sich auch die Kosten in einem sehr überschaubaren Rahmen.

Förderungen durch den Staat

Der Staat hat verschiedene Förderprogramme aufgelegt, durch welche der Start in die Selbstständigkeit erleichtert wird. Eventuell kann ein Gründerzuschuss in Anspruch genommen oder das Elterngeld genutzt werden, um die freiberufliche Existenz mit einem zusätzlichen Finanzpuffer zu starten. Welche Möglichkeiten es im Einzelnen gibt, erfahren die jungen Journalisten etwa bei den KFW-Gründercoachings.

Fahrplan für ein erfolgreiches Wachstum

Das Wachstum des eigenen Unternehmens sollten freiberuflich Journalisten ebenfalls von Vornherein ins Auge fassen. Sie können etwa zu Beginn der Selbstständigkeit eigene Projekte starten, die sie später von freien Mitarbeitern, Praktikanten oder Minijobbern betreuen lassen, wenn sie volle Auftragsbücher haben. Damit bietet der Start in die freiberufliche Selbstständigkeit vielleicht sogar die Chance, eines Tages ein eigenes, kleines Medienunternehmen zu besitzen.

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