Kurseinheit M060 Crossmedia

Kurseinheit
 
Lernziel Die Teilnehmenden sollen die Besonderheiten des crossmedialen Arbeitens kennen lernen und in der Lage sein, diese medialen und technischen Besonderheiten bei der Produktion und der Verwendung von crossmedialen Beiträgen zu berücksichtigen und umzusetzen.
Studienbriefautor Dipl. Journ. (FH) Timo Stoppacher
 
Belegungsempfehlung Dieser Studienbrief wird Teilnehmenden empfohlen, die interessiert sind, als Journalist für crossmediale Formate zu arbeiten. 
Inhalte Was ist Crossmedia?; (Technische) Voraussetzungen; Narration und Produktion.
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Crossmedia

In den letzten wenigen Jahren hat sich der Beruf des Journalisten radikaler und tiefgreifender gewandelt als in den Jahrzehnten zuvor. Denn seitdem sich das Internet als neues Medium etabliert hat, verschwimmen die zuvor klaren Grenzen zwischen Print, Hörfunk und Fernsehen zunehmend -während der Journalist stärker als in der Vergangenheit crossmedial denken muss. Im journalistischen Alltag bedeutet eine crossmediale Arbeitsweise, dass der Journalist seinen Bericht für und mit verschiedenen Mediengattungen aufarbeitet. Eine Schlüsselrolle spielt dabei das Internet, wo der Journalist alle Mediengattungen und ihre typischen Darstellungsformen einbinden kann. Der große Unterschied zur herkömmlichen journalistischen Herangehensweisen besteht also darin, dass der crossmedial arbeitende Journalist nicht themen- oder medienorientiert denkt.

Crossmedia: Keine moderne Erfindung

Crossmedialer Journalismus ist beileibe keine moderne Erfindung, sondern hat auch in der Vergangenheit schon stattgefunden. Beispielsweise, wenn ein freier Mitarbeiter einen Termin wahrgenommen hat und den anschließenden Bericht sowohl für die lokale Tageszeitung als auch den lokalen Radiosender wahrgenommen hat. Doch was in der Vergangenheit die Ausnahme war, ist inzwischen längst die Regel geworden. Für den crossmedialen Journalismus ist es notwendig, eine medienübergreifende Denkweise an den Tag zu legen und Methoden zu nutzen, die sich in jedem journalistischen Themen- und Fachgebiet verwenden lassen.

Was bedeutet Crossmedia im Alltag?

Meist wird Crossmedia mit Online gleichgesetzt, was aber nur daran liegt, dass sich Crossmedia in Online-Medien am besten umsetzen lässt und erst in diesem Medium seine volle Wirkung entfaltet.

Deshalb haben die etablierten Medien wie Tages- und Wochenzeitungen, Magazine, Radio- und Fernsehsender ihr Online-Angebot seit Mitte der 1990er Jahre auch erheblich aufgewertet. In den Anfangszeiten des Internets hatte zwar kein Medium auf eine Online-Präsenz verzichtet, jedoch wurde diese zunächst lediglich zur Zweitverwertung von bereits publizierten Beiträgen genutzt, welche die Mediennutzer erst aufrufen konnten, nachdem diese im Hauptmedium veröffentlicht waren.

Die Tatsache, dass das Internet fast überall und dank mobiler Endgeräte auch jederzeit verfügbar ist, hat längst ein Umdenken ausgelöst: Die Beiträge werden zuerst kurz mit einem Verweis auf die ausführlichere Berichterstattung im Hauptmedium angerissen.

Dafür bietet Crossmedia im Journalismus unter Einbindung des Internet zahlreiche Möglichkeiten, die es zuvor eben nicht gab, weil die Seitenzahl bei Printmedien ebenso begrenzt ist wie die Sendezeit in Hörfunk und Fernsehen. Ergänzende Hintergrundinformationen können hier zusätzlich für den Mediennutzer bereitgestellt werden und selbst mit vollkommen neuen Erzählformaten kann im Internet experimentiert werden.

Zwei weitere große Vorteile, die das Internet als Schnittstelle des crossmedialen Journalismus bietet: Dieses Medium ist nicht so flüchtig, wie Hörfunk und Fernsehen. Die Mediennutzer müssen also nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt vor dem Gerät sitzen, um den Beitrag zu sehen oder zu hören. Sie können ihn vielmehr dann abrufen, wenn sie Zeit und Muße dafür haben. Sollte etwas in dem Beitrag unklar oder unverständlich sein, kann er außerdem jederzeit erneut abgerufen werden. Außerdem kann der Beitrag jederzeit korrigiert und aktualisiert werden, falls sich ein Fehler eingeschlichen hat oder eine neue Erkenntnis aufgetaucht ist. Diese nachträgliche Korrektur gibt es in dieser Form in den klassischen Medien nicht. Hier muss ein Sachverhalt entweder zeitnah richtiggestellt werden oder noch einmal aufgerollt werden - was wiederum wertvollen Platz kostet.

Was muss der Journalist können?

Generell wird vom Journalisten ohnehin erwartet, dass er eine gewisse Neugierde mitbringt, kreativ ist und sich schnell in neue Themen einarbeiten kann. Für einen Journalisten, der crossmedial arbeitet, sind diese Eigenschaften unerlässlich. Er braucht außerdem eine große Affinität zur Technik, um seine Beiträge auch wirklich crossmedial bearbeiten zu können. Ein Blick für gute Bilder und das Wissen um deren Produktion rundet das Eigenschaftsprofil des crossmedialen Journalisten ab.

Diese Hardware braucht ein crossmedialer Journalist

Mit welcher Hardware ein crossmedial arbeitender Journalist vor Ort recherchiert, hängt in erster Linie davon ab, für welches Hauptmedium er tätig ist. So kommt ein Journalist, der für ein Printmedium recherchiert, mit einem Laptop, einer guten Fotokamera und einem Smartphone durchaus aus. Denn mit Smartphone und Kamera lassen sich auch Ton- und Videobilder in einer Qualität aufnehmen, die für das Internet durchaus ausreicht.

Fernsehjournalisten hingegen legen eher Wert auf eine hochwertige Kamera, während Hörfunkjournalisten an professionellen Aufnahmen interessiert sind. Ergänzt wird ihr Equipment ebenfalls um ein Smartphone und - wenn sie den ersten Bericht schon vor Ort verfassen wollen - ein Laptop. Die Berichterstattung vom Ort der Recherche aus wird allerdings nur bei herausragenden Ereignissen, etwa sportlichen Großevents oder Parteitagen gepflegt.

Auf die Software kommt es an

Unverzichtbar für die Tätigkeit des crossmedialen Journalisten ist darüber hinaus eine hochwertige und professionelle Software. Dazu gehören neben einem guten Textverarbeitungs- oder Desktop-Publishing-Programm auch eine gute Bildbearbeitung sowie ein Programm für den Videoschnitt. Weil sich in allen Bereichen einige wenige Programme als Standard in den Redaktionen durchgesetzt haben, greifen wegen der Kompatibilität auch Freelancer in der Regel auf die Softwarelösungen zurück, die auch in der Redaktion im Einsatz sind.

Die Erzählweise im crossmedialen Journalismus

Grundsätzlich eignet sich jedes Thema, das eine journalistische Berichterstattung wert ist, auch für einen crossmedialen Beitrag. Im Gegenteil gibt es nahezu kein Thema, das dem Mediennutzer durch die crossmediale Berichterstattung keinen Mehrwert bieten könnte.

Besucht beispielsweise ein Lokaljournalist den Auftritt eines Künstlers, der in der Stadt auftritt, erfolgt in der Lokalpresse üblicherweise eine Vorankündigung sowie ein kurzer Nachbericht. Auf der Online-Plattform kann er hingegen neben dem Bereich ein kurzes Video und vielleicht ein vor der Videokamera geführtes Interview einbauen, sodass der Mediennutzer durch die crossmediale Berichterstattung einen sehr viel größeren Mehrwert hat als durch die Berichterstattung im Hauptmedium.

Dieser Mehrwert für den Mediennutzer ist grundsätzlich in allen Ressorts gegeben. Die Berichterstattung im Feuilleton leidet beispielsweise bei der Berichterstattung über Ausstellungen am beschränkten Platzangebot, sodass hier selbst mit einem hervorragenden Foto nur ein kleiner Einblick in das Schaffen des ausstellenden Künstlers gegeben werden kann.

Lässt sich der crossmediale Journalismus planen?

Die Entscheidung, welche Mediengattungen der Journalist einbindet, kann er nur bis zu einem gewissen Grad im Vorfeld planen. So ist es bei Veranstaltungen mit prominenten Gästen nicht unüblich, dass nur in einem bestimmten Zeitfenster fotografiert oder gedreht werden darf, was der Journalist aber oft erst vor Ort erfährt. In anderen Fällen können die örtlichen Gegebenheiten Aufnahmen unmöglich machen. Der crossmedial arbeitende Journalist sollte also für jeden Fall gerüstet sein und sich prinzipiell alle Möglichkeiten offen halten. 

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