Kurseinheit M050 Fotojournalismus

Kurseinheit
 
Lernziel Die Teilnehmenden sollen die Besonderheiten des Mediums „Foto" kennen lernen und in der Lage sein, diese medialen und technischen Besonderheiten bei der Produktion und der Verwendung von Bildern zu berücksichtigen und umzusetzen.
Studienbriefautor Julian J. Rossig
 
Belegungsempfehlung Dieser Studienbrief wird Teilnehmenden empfohlen, die interessiert sind, als Fotojournalisten zu arbeiten und eventuell bereits über eine gute Kamera verfügen.
Inhalte Grundlagen des Fotojournalismus; Kompositorische und gestalterische Aspekte der Produktion; Stilmittel und inhaltliche Gliederung; Menschen fotografieren; Organisatorischer Rahmen
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Fotojournalismus

Für kaum einen Beitrag in Printmedien wollen die Redaktionen auf ein Bild verzichten, das den Mediennutzer neugierig auf den Beitrag machen und zum Lesen animieren soll. Gelegentlich und vor allem in Magazinen werden auch komplette Geschichten in Form von Bilderserien erzählt, während der Text auf ein absolutes Minimum reduziert wird. Die passenden Bilder liefert der Fotojournalist, der gelegentlich auch Reportagefotograf oder Bildjournalist genannt wird.

Meist werden die Bilder entweder von freien Bildjournalisten oder von den eigenen Mitarbeitern, die zur Recherche ihre Kamera mitnehmen, geliefert. Journalisten, die sich ausschließlich um Fotojournalismus kümmern, gibt es lediglich noch in großen Redaktionen. Jedoch geht auch bei diesen der Trend hin zu Freelancern.

Darum geht es im Fotojournalismus

Der Fotojournalist geht grundsätzlich anders an seine Aufgabe heran als der herkömmliche Fotograf. Dieser fotografiert, wenn er ein schönes oder interessantes Motiv sieht. Ob er dies verwendet und wofür, entscheidet sich erst zu einem sehr viel späteren Zeitpunkt. Der Fotojournalist hingegen fotografiert ausschließlich für journalistische Zwecke. Das bedeutet: Er hat ein vorgegebenes Thema und vielleicht auch schon die ersten Ideen für ein passendes Foto, sobald er aufbricht, um das Foto zu machen.

Der Fotojournalist will mit seinem Bild eine Aussage transportieren, welche den geschriebenen Text, in dessen Umfeld das Foto platziert wird, unterstreichen und bekräftigen soll. Am häufigsten werden die Bilder des Fotojournalisten zur Dokumentation und zur Illustration eingesetzt.

Wird das Bild zu dokumentarischen Zwecken verwendet, soll ein bestimmtes Ereignis völlig neutral und wertungsfrei dargestellt werden. Das kann die Vereidigung eines Politikers ebenso sein wie die Geburt eines seltenen Tieres im örtlichen Zoo. Arbeitet der Fotojournalist zu dokumentarischen Zwecken, sollte er also auch darauf verzichten, kreative Stilmittel einzusetzen.

- Wird das Bild zur Illustration verwendet, kann ein sogenanntes Schmuckfoto ebenso verwendet werden wie eine Optik, die einen komplexen Sachverhalt näher erläutert. Welche Art von Foto gewählt wird, ist nicht nur abhängig vom Thema, sondern auch vom Ressort, in dem es abgedruckt wird.

Die Macht der Bilder

In der Vergangenheit waren es nicht Berichte über Gräueltaten, die Veränderungen bewirkt haben, sondern aussagekräftige Bilder. Dazu gehört etwa das Foto des blutüberströmten und schreienden Kindes, das nach dem Abwurf der ersten Atombombe förmlich auf die Kamera zuläuft. Dieses Bild ging um die Welt und sensibilisierte die Bevölkerung für die zerstörerische Wirkung dieser Waffe, deren Einsatz seitdem geächtet wird. Und auch während des Vietnamkrieges waren es vor allem die Bilder, die sterbende oder tote Soldaten zeigten, welche in den USA zu einem derartigen innenpolitischen Druck führte, dass sich die USA schließlich ihre Truppen aus dem südostasiatischen Land abzogen.

Die Anfänge des Fotojournalismus

Als Anfang des Fotojournalismus in Deutschland gilt das Jahr 1842, als die Brandkatastrophe in Hamburg fotografisch dokumentiert wurde. In den folgenden Jahrzehnten waren vor allem Bilder von Kriegsschauplätzen wie dem Krimkrieg oder dem Sezessionskrieg in den USA gefragt. Allerdings konnte das neue Medium der Fotografie hier nur begrenzt genutzt werden. Einerseits waren die Kameras noch zu unhandlich und zu schwer für einen schnellen Einsatz an der Front. Andererseits war die Herstellung von Druckvorlagen bei Fotos noch mit einem sehr großen Aufwand verbunden.

Der moderne Fotojournalismus entwickelte sich ab den 1880er Jahren, als damit begonnen wurde, regelmäßig Fotos in Zeitungen abzudrucken, um die Beiträge zu illustrieren. Es sollte aber noch bis zum ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts dauern, bis mit der Bildtelegraphie eine Methode zur Fernübertragung von Bildern entwickelt wurde. Zu den ersten Fotos, die auf diese Weise übertragen wurden, gehörte ein Fahndungsfoto, welches im Daily Mirror abgedruckt worden war, woraufhin der Juwelendieb gefasst werden konnte.

Auf breiter Front konnte sich der Fotojournalismus in den Medien aber erst durchsetzen, als Mitte der 1920er Jahre die ersten Kleinbildkameras auf den Markt gebracht wurden. Endgültig etabliert hatte sich der Fotojournalismus schließlich, als Mitte des 20. Jahrhunderts die ersten Bildagenturen gegründet wurden.

Das Handwerkszeug des Fotojournalisten

Obwohl moderne Spiegelreflexkameras über ausgefeilte Programme verfügen, mit welchen sich nahezu alle gewünschten Effekte per Knopfdruck einstellen lassen, muss der Fotojournalist die Zusammenhänge von Belichtungszeit, Blende, Brennweite und Empfindlichkeit kennen. Er sollte zudem bestens mit seiner Kamera vertraut sein, um vor Ort schnell reagieren zu können. Gerade bei Fotos für dokumentarische Zwecke kommt es darauf an, dass der Fotojournalist zum richtigen Zeitpunkt auf den Auslöser drückt, um das perfekte Bild im Kasten zu haben. Viele Situationen lassen sich nämlich nicht wiederholen und falls doch, wirken die Fotos häufig gestellt. Viele Fotojournalisten bleiben deshalb auch ihr ganzes Berufsleben lang einem Kamerahersteller treu, weil sich die Nachfolgemodelle nur geringfügig von den Vorgängern unterscheiden und sie sich deshalb nicht von Grund auf in ein neues System einarbeiten müssen.

Ebenso wichtig wie die Kamera selbst sind in den vergangenen Jahren Bildbearbeitungsprogramme geworden. Mit diesen lassen sich die Fotos innerhalb weniger Minuten nachbearbeiten. Sie ersetzen die oft stundenlange Arbeit im Labor und bieten noch zahlreiche weitere Funktionen wie das nachträgliche Scharfstellen oder eine Korrektur von Farben und Kontrast. Allerdings sollte auf eine zu umfangreiche Nachbearbeitung verzichtet werden, weil die Fotos ansonsten zu gekünstelt wirken.

Im rechtlichen Rahmen

Ein profundes Hintergrundwissen im Presserecht schützt den Fotojournalisten davor, versehentlich die Persönlichkeitsrechte Dritter zu verletzen. Das betrifft insbesondere das Fotografieren von Menschen. Will der Fotojournalist eine Einzelperson ablichten, beispielsweise für eine Umfrage oder weil die Person im Bericht eine Rolle spielt, muss diese ihr ausdrückliches Einverständnis geben, dass das Foto abgedruckt werden darf. Ansonsten kann die Person im Nachhinein auf das Recht am eigenen Bild pochen, was unangenehme juristische Folgen für das Medium und den Fotojournalisten haben kann.

Anders ist die Lage bei Gruppenfotos größerer Menschenansammlungen. Hier benötigt er das Einverständnis jedes Einzelnen nicht. In der Praxis betrifft das beispielsweise öffentliche Veranstaltungen, Kundgebungen im öffentlichen Raum oder Veranstaltungen von Vereinen und anderen Organisationen. Auch bei Personen des öffentlichen Lebens wird das öffentliche Interesse an der Berichterstattung meist ebenfalls als höher eingestuft als deren Recht auf das eigene Bild.

Der Fotojournalist und die Ethik

Paparazzi, also Sensations-Fotojournalisten, die beispielsweise Prominente im privaten Umfeld ablichten wollen, haben dieses journalistische Genre etwas in Verruf gebracht. Deshalb sollte sich ein guter Fotojournalist jederzeit seiner besonderen ethischen Verantwortung bewusst sein und darauf achten, nicht die Intimsphäre von Personen zu verletzen. Ebenso wenig sollte er sich zu Propagandazwecken vereinnahmen lassen, weil Bildern in der öffentlichen Wahrnehmung nach wie vor ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit zugeschrieben wird. 

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