Kurseinheit M030 Onlinejournalismus

Kurseinheit

Lernziel Die Teilnehmenden sollen die Besonderheiten des Mediums „Internet" kennen lernen und in der Lage sein, diese medialen und technischen Besonderheiten beim Texten und Verwenden von Bildern und Videos zu berücksichtigen und umzusetzen.
 
Studienbriefautor Nea Matzen, M.A.
 
Belegungsempfehlung Dieser Studienbrief wird Teilnehmenden empfohlen, die interessiert sind, als Onlinejournalisten zu arbeiten.
 
Inhalte Einleitung: Piloten und Navigatoren im Netz; von Perlen, Schaufenstern und Postillons; Bauen wie die Architekten; Renaissance des Fotos mit Klicks und Slides; gedreht, verlinkt, verzahnt – multimediales Denken; Publikum und Publizist zugleich.
 
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Onlinejournalismus

Die Revolution, die das Internet in der Medienlandschaft ausgelöst hat, ist allenfalls vergleichbar mit der Erfindung des Buchdrucks, als plötzlich Massenmedien schnell und günstig produziert werden konnten. Und auch für den Journalismus ergeben sich durch das „Neue" Medium völlig neue Chancen, um die Mediennutzer zu erreichen. Das hat etwa der Arabische Frühling eindrucksvoll demonstriert, bei dem Aktivisten ihre Aktionen über das Internet koordinierten, was letztlich zum Regimewechsel in diversen autokratischen Staaten der arabischen Welt geführt hat. Dieser Widerstand war zwar von engagierten Laien organisiert worden, die Folgen hatten jedoch auch Kommunikationsexperten stark überrascht.

Die Medienlandschaft hat sich verändert

Aber auch die deutsche Medienlandschaft hat sich durch den Onlinejournalismus in den vergangenen Jahren massiv gewandelt. Etablierte Medien konnten und wollten schon in den 1990er Jahren auf eine eigene Online-Präsenz nicht verzichten. Hier wurden jedoch lediglich Beiträge zweitverwertet, nachdem sie bereits im eigentlichen Medium veröffentlicht worden waren. Inzwischen gehen diese Medien eher den umgekehrten Weg: Sie veröffentlichen eine Nachricht zu einem aktuellen Ereignis und verweisen auf die ausführliche Berichterstattung im Medium.

Neue Chancen für Freelancer

Das Internet hat zudem dazu beigetragen, die Medienlandschaft vor allem im Lokaljournalismus zu vergrößern. So gibt es inzwischen zahlreiche Online-Magazine in diversen Städten, die über das lokale Geschehen berichten. Weil sie weniger abhängig von Anzeigenkunden und nicht in die örtlichen Seilschaften eingebunden sind, können sie kritischer berichten und bringen auch Themen an die Öffentlichkeit, die von den etablierten örtlichen Medien nicht berücksichtigt werden. Weil sich die Investitionskosten für ein eigenes Online-Magazin in einem überschaubaren Rahmen halten, bietet der Online-Journalismus jungen Journalisten hervorragende Chancen, den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen.

Über den eigenen Tellerrand schauen

Der Onlinejournalismus erfordert ein neues Denken im Umgang mit Text, aber auch mit anderen gestalterischen und informativen Elementen wie Fotos, Tonaufnahmen und Videos. Weil sich innerhalb eines Beitrags all diese Formen einsetzen lassen, können sich völlig neue Darstellungsformen entwickeln. Beispielsweise ist es möglich, den Beitrag mit einem Video zu verlinken, in dem ein bestimmter Sachverhalt ausführlich erklärt wird.

Das richtige Handwerkszeug richtig nutzen

Neben dem journalistischen Handwerkszeug müssen Onlinejournalisten auch die Tätigkeiten eines Grafikers sowie eines Webmasters kennen und teilweise ausüben. Dank Plattformen wie Wordpress, die das Erstellen einer Homepage nach einem Baukastensystem ermöglichen, reichen zwar Grundkenntnisse in der Programmierung aus, aber der Onlinejournalist muss ein Auge für die Gestaltung einer Webseite haben, um diese für den Mediennutzer ansprechend zu gestalten.

Das Leseverhalten im Netz

Als nützlich erweist es sich für den Onlinejournalisten, wenn er das Leseverhalten der User im Netz kennt. Üblicherweise überfliegen diese den Text zunächst, wobei sie nur herausragende Informationen aufnehmen. Nur wenn sie der Beitrag wirklich interessiert, lesen sie ihn intensiver.

Deshalb ist ein ansprechender Teaser, also ein kurzer Vorspann, notwendig, der den User gewissermaßen in den Text hineinführt. Denn das große Informationsangebot kann für den einzelnen Online-Journalisten auch von Nachteil sein: Der User entscheidet sich innerhalb von wenigen Sekunden, ob er das Angebot auf einer bestimmten Seite nutzt oder die Informationen von einer anderen Stelle bezieht.

Die Suchmaschinen nicht vergessen

Und weil die eigene Seite in den Weiten des Internets auch gefunden werden soll, darf der Onlinejournalist auch die Suchmaschinen nicht vergessen. Er benötigt also eine sogenannte Meta-Description, die von den Suchmaschinen ausgelesen wird und den Inhalt kurz zusammenfasst. Auch wichtige Keywörter, nach welchen der User in Google & Co sucht, sollten im Text enthalten sein. Hierzu gibt es allerdings einige Tools, mit welchen der Onlinejournalist den Text überprüfen kann, bevor er ihn online stellt.

Eine Struktur in das Medium bringen

Weil viele Mediennutzer Webseiten von Mobilen Geräten wie Smartphones aus aufrufen, muss der Onlinejournalist diese Nutzergewohnheiten beim Schreiben berücksichtigen. Als optimale Textlänge für Texte im Netz gilt eine Wortanzahl zwischen 300 und 1.000. Zu Gunsten einer guten Verständlichkeit sollte sich der Onlinejournalist eher an der unteren Grenze orientieren und umfangreiche Themen in mehrere Texte aufteilen, die untereinander verlinkt werden können. Ansonsten gelten für die journalistischen Darstellungsformen im Internet dieselben Regeln wie für die Darstellungsformen in klassischen Medien.

Das Bild als Schlüssel zum Erfolg

Wie in Printmedien gilt auch in Onlinemedien ein passendes Foto als Eyecatcher, um das Interesse für den Beitrag zu wecken. Für das Foto sollte ein Motiv gewählt werden, das auch bei einer kleinen Darstellung gut zu erkennen ist. Fotos mit nichtssagenden Motiven oder zu detailreiche Motive eignen sich in Online-Medien hingegen eher nicht als Motiv für den Einstieg. Und schließlich sollte auch die Bildunterschrift nicht vergessen werden, in welcher das Motiv des Fotos kurz beschrieben wird.

Multimedial denken

Der große Vorteil, den Onlinemedien bieten, besteht darin, dass die Journalisten bei Bedarf auf Elemente aus allen anderen Mediengattungen zurückgreifen können. Sie können nicht nur Fotos in die Beiträge einbinden, sondern auch Videos oder Audiostreams. Darüber hinaus lassen sich diese bei Bedarf miteinander kombinieren. Etwa, indem eine Fotoshow mit einem Audiostream unterlegt wird, in welchem erklärt wird, was auf den Bildern zu sehen ist. Für Journalisten aus den klassischen Medien mögen diese Optionen wie eine Spielerei wirken, jedoch schätzen die User diese Möglichkeiten, die auch zur Bindung des Mediennutzers an das Medium beitragen.

Die Reichweite ermitteln

Die Reichweite, die der Onlinejournalist mit seinen Beiträgen erzielt, ist vor allem für Werbekunden, die für die Finanzierung des Mediums sorgen, von Interesse. Die Zahl der Seitenbesuche wird offiziell von der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. gemessen, allerdings wird die Verweildauer von dieser Einrichtung nicht berücksichtigt. Sogenannte Webmaster-Tools liefern hier aussagekräftigere Zahlen.

Im Dialog mit dem Mediennutzer

Auf die Präsenz auf sozialen Plattformen wie Facebook sollte kein Onlinejournalist verzichten. Diese bieten dem Onlinemedium zwei Vorteile: Zum einen werden interessante Beiträge von anderen Usern geteilt, weshalb diese als Multiplikatoren dienen. Zum anderen können die Mediennutzer in einen direkten Dialog mit dem Journalisten treten, der dadurch ein unmittelbares Feedback auf seine Berichte erhält.

Gerade die rege Bloggerszene dient professionellen Journalisten in vielen Fällen als Informationspool. Darüber hinaus haben aktive Nutzer ebenfalls die Gelegenheit, sich journalistisch zu betätigen. Als prominentestes Beispiel gilt die Huffington Post, die ausschließlich Beiträge - allerdings ohne großartigen journalistischen Anspruch - von Bloggern publiziert, die dadurch ein breites Publikum auf ihre Blogs und ihre sonstigen Aktivitäten im Netz aufmerksam machen können.

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