Kurseinheit M020 Fernsehjournalismus

Kurseinheit
 
Lernziel Die Teilnehmenden sollen die Besonderheiten des Mediums „Fernsehen" kennen lernen und in der Lage sein, diese medialen und technischen Besonderheiten bei der Recherche, beim Texten, Drehen und Schneiden zu berücksichtigen und umzusetzen.
 
Studienbriefautor Dipl.-Staats- und Sozialwiss. Daniel Moj
 
Belegungsempfehlung Dieser Studienbrief wird Teilnehmenden empfohlen, die interessiert sind, beim Fernsehen zu arbeiten.
 
Inhalte Fernsehjournalismus – Arbeiten mit allen Sinnen; Arbeiten mit Format – journalistische Darstellungsformen; Fernsehen beginnt am Schreibtisch – Recherche, Planung, Dramaturgie; von Jägern und Sammlern – Dreharbeiten; der Film entsteht im Schnitt – Montage und Komposition; Arbeiten als „Einzelkämpfer" – Besonderheiten des Videojournalismus.
 
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Fernsehjournalismus

Die Berichterstattung für das Medium Fernsehen gilt aus vielerlei Gründen als absolute Königsdisziplin. Einer der Gründe besteht darin, dass das Fernsehen trotz der Konkurrenz neuer Medien nach wie vor das wichtigste Leitmedium bleibt, zumal zahlreiche Mediennutzer mittlerweile Web-TV als Informationsquelle nutzen. Während Zeitungs- und Zeitschriftenverlage nach wie vor über Auflagenverluste klagen, informiert sich vor allem das junge Publikum mehr als noch vor ein oder zwei Jahrzehnten in erster Linie über Formate mit bewegten Bildern. Aber auch die Arbeitsweise von Fernsehjournalisten unterscheidet sich grundlegend von der in anderen Mediengattungen.

Egal, ob der Fernsehjournalist einen Bericht, eine Nachricht oder eine Reportage abliefert, er muss in dem Fall auf Folgendes achten: Sein Text muss eine harmonische Einheit mit den Bildern und Tönen des Beitrags bilden. Er muss also schon im Vorfeld der Recherche die möglichen Drehorte im Auge haben und gegebenenfalls Drehgenehmigungen einholen.

Der Fernsehjournalist: ein Multitalent

Spätestens ab dem Zeitpunkt, an dem das Thema und das passende Format ausgewählt sind, muss der Fernsehjournalist damit beginnen, crossmedial zu denken. Er muss nicht nur die Informationen zusammenstellen und aufbereiten, sondern auch mit den richtigen Bildern und Tönen untermalen, damit der Mediennutzer nicht gelangweilt umschaltet. Die wichtigste Fähigkeit, die ein Fernsehjournalist besitzen muss, ist das Handwerk des Filmischen Erzählens.

Das passende Format finden

Zwar hat der Fernsehjournalist sehr viel mehr Freiheiten, wenn es um die Gestaltung seines Beitrages geht, jedoch wird er an anderer Stelle stärker in ein Schema gepresst, als es bei anderen Mediengattungen der Fall ist. Die formalen Vorgaben, welchen er unterworfen ist, haben neben den Sehgewohnheiten der Mediennutzer und den Sendeplätzen für journalistische Beiträge auch inhaltliche Vorgaben der Redaktion sowie die Platzierung der Beiträge zum Grund. Während in reinen Nachrichtensendungen wie der Tagesschau lediglich Nachrichten oder Berichte gefragt sind, dürfen in politischen Magazinen gerne auch Reportagen oder klassische Magazinbeiträge geliefert werden. Die wichtigste Frage lautet vor dem Verfassen des Beitrages also, in welcher Darstellungsform sein Beitrag am besten in welches Format passt. Das ist auch insofern wichtig, weil sich Stil und Sprache, in welchen er den Beitrag verfasst, in erster Linie nach der Darstellungsform richten.

Die Recherche des Fernsehjournalisten

Während die Kollegen aus Print und Hörfunk auch auf gut Glück auf Recherche gehen können, muss der Fernsehjournalist zunächst viel Zeit auf die Hintergrundrecherche verwenden. Er muss nicht nur die Fakten und Zusammenhänge recherchieren, sondern sich auch überlegen, welche Informanten er vor die Kamera bringen möchte. Der Grund: Die Produktion eines Beitrages ist mit einem sehr großen Aufwand verbunden, weil der Journalist üblicherweise mit zwei oder drei Kollegen im Team arbeitet, die sich um Kamera, Licht und Ton kümmern.

Der dramaturgische Handlungsbogen steht ebenso wie organisatorische Details schon vor dem Beginn der Dreharbeiten. Der Fernsehjournalist arbeitet deshalb gerne mit einem Rechercheprotokoll, das ihm dabei hilft, eine Struktur in die Informationsflut zu bringen. Im Idealfall hat der Fernsehjournalist auch bereits das erste Bild sowie das Schlussbild im Kopf, bevor der Dreh beginnt. Im nächsten Schritt arbeitet er schließlich ein Exposé aus, das der Redaktionsleitung zur Genehmigung vorgelegt wird.

Die Chemie muss stimmen

Sofern der Fernsehjournalist sich nicht selbst um Kamera und Ton kümmern muss, werden für die Dreharbeiten gern Teams eingesetzt, die gut aufeinander eingespielt sind. Denn weil keiner der Beteiligten die genauen Verhältnisse vor Ort kennt, muss bei journalistischen Drehs sehr oft improvisiert werden, was umso reibungsloser funktioniert, je besser sich die Mitarbeiter gegenseitig kennen.

Auch die Frage, welche Einstellung und welche Perspektive gewählt werden, entscheidet sich häufig erst vor Ort. Im Alltag bedeutet das: Auf der Fahrt oder am Drehort erhalten die Kollegen vom Fernsehjournalisten ein möglichst detailliertes Briefing, weil er als einziger die Bilder für den Beitrag bereits im Kopf hat.

Wie viele Mitarbeiter sind im Einsatz?

Vielfach ist eine flexible Aufgabenteilung notwendig, weil nicht jeder Beitrag mit einem Maximum an Manpower bearbeitet werden kann. Der Aufwand, einen Regisseur abzustellen, der die Tätigkeit von zwei oder drei Kameraleuten koordiniert, lohnt sich nur bei großen Events für Premiumsender. Weitaus häufiger sind Fernsehjournalisten inzwischen jedoch für kleinere Stationen tätig, die mit einer eher dünnen Personaldecke arbeiten.

Die eigentliche Produktion des Beitrages

Eine harte Geduldsprobe stellen oft die abschließenden Arbeiten im Schneideraum dar. Hier wird zunächst einmal vom Cutter das aufgenommene Material gesichtet. Erst zu diesem Zeitpunkt entscheidet sich, ob sich der Beitrag tatsächlich so umsetzen lässt, wie es der Fernsehjournalist ursprünglich beabsichtigt hatte. Denn der Cutter ist der erste , und oft der kritischste, Zuschauer des Beitrages. Er achtet auch auf Dinge, die dem Mediennutzer möglicherweise gar nicht auffallen, etwa diverse technische Details in Licht, Bildkomposition und Ton. Auch erfahrene Fernsehjournalisten müssen im Schneideraum viel experimentieren und ausprobieren, bevor der Beitrag auf Sendung gehen kann. Erleichtert wird die Arbeit durch digitale Schneidesysteme, mit welchen sich auch zahlreiche Korrekturen nachträglich durchführen lassen. Der Nachteil: Diese Korrekturen kosten sehr viel Zeit, die vor allem bei tagesaktuellen Beiträgen nicht immer vorhanden ist.

Der Trend geht zum Einzelkämpfer

Die rasante technische Entwicklung in Computer- und Kameratechnik haben es möglich gemacht, dass sich allmählich das Berufsbild des Videojournalisten durchsetzt, der seine Beiträge im Alleingang produziert. Denn mittlerweile liefern auch kleine Kameras, die einhändig geführt werden können, Bilder in einer Qualität, die der einer hochwertigen Ausrüstung in nichts mehr nachsteht. Eine aufwendige Logistik mit großem Team ist für Videojournalisten also nicht mehr notwendig.

Sie führen neben der Kamera und einer Tonausrüstung auch einen mobilen Schnittplatz mit sich und benötigen daher keine so ausführliche und sorgfältige Vorbereitung mehr. Der große Vorteil, den Videojournalisten haben, besteht darin, dass sie schnell aktuelle Bilder liefern können.

Allerdings geht die Schnelligkeit häufig auf Kosten der Qualität: Denn obwohl Kamera und Software inzwischen sehr einfach zu bedienen sind, kann ein Videojournalist nicht sämtliche Feinheiten so gut kennen, wie ein Spezialist, der sich völlig auf diese Aufgabe konzentrieren kann. Videojournalisten produzieren deshalb in erster Linie für das Web-TV oder liefern kurze Live-Sequenzen, die in einen umfangreicheren Bericht im Fernsehen eingebaut werden können. Sie stellen für Fernsehjournalisten, die für Fernsehsender arbeiten, also keine Konkurrenz, sondern eine gute und sinnvolle Ergänzung dar, weil sie schnell agieren können. Langfristig dürfte der Trend dennoch eher hin zum Videojournalisten gehen.

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