Kurseinheit F120 Umweltjournalismus

Kurseinheit
 
Lernziel Die Teilnehmenden sollen das Berufsbild des Umweltjournalisten kennen lernen und einen Einblick in das Berichterstattungsfeld rund um Umwelt und Naturthemen sowie deren Besonderheiten erhalten.
Studienbriefautor Christian Schwägerl
 
Belegungsempfehlung Dieser Studienbrief wird Teilnehmenden empfohlen, die interessiert sind, als Umweltjournalisten tätig zu werden.
 
Inhalte Fachliche Voraussetzungen; Was sind Umweltthemen?; Formen des Umweltjournalismus; das Rollenverhältnis des Umweltjournalisten
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Umweltjournalismus

Der Umweltjournalismus ist ein relativ junges journalistisches Fachgebiet, welches sich im Zuge des wachsenden Interesses der Mediennutzer an Umweltthemen seit den 1980er Jahren entwickelt hat. Obwohl insbesondere Tageszeitungen und Magazine mittlerweile spezielle Umwelt-Seiten eingerichtet haben, gibt es kein Umweltressort im eigentlichen Sinne. Es handelt sich vielmehr um ein übergreifendes Fachgebiet, das in allen Ressorts berücksichtigt werden kann.

Dabei steht der Umweltjournalist vor besonderen Herausforderungen. Seine Aufgabe ist es, Ergebnisse aus Forschung und Wissenschaft verständlich darzustellen und äußerst komplexe Sachverhalte aus der Praxis objektiv darstellen zu können. Der Umweltjournalist bewegt sich dabei meist auf einem äußerst schmalen Grad, will er sich nicht von verschiedenen Interessengruppen instrumentalisieren lassen.

Welche Voraussetzungen muss ein Umweltjournalist mitbringen?

Ein entsprechendes Hochschulstudium ist keine zwingende Voraussetzung, um als Umweltjournalist arbeiten zu können. Journalisten sollten allerdings zumindest solide Grundkenntnisse in den Naturwissenschaften mitbringen, um die Zusammenhänge, über die sie berichten müssen, auch verstehen zu können. Darüber hinaus ist eine kontinuierliche und konsequente Fortbildung notwendig. Weil das Themenfeld äußerst breit gefächert ist, reicht eine Weiterbildung in einigen Themenfeldern durchaus aus, damit der Umweltjournalist eine Expertennische finden kann.

Zwar kann sich auch der Umweltjournalist im Zweifelsfall auf die Rolle des unwissenden, neugierigen Laien zurückziehen, jedoch sollte er diese Rolle nicht überstrapazieren. Denn seine Informanten und Gesprächspartner merken sehr schnell, ob der Journalist generell über Hintergrundwissen verfügt oder nicht. In letzterem Fall ist die Gefahr des Instrumentalisiert-Werdens besonders groß.

Darüber hinaus sollte der Umweltjournalist schon aus Eigeninteresse über juristische Grundkenntnisse verfügen. Vor allem wenn Umweltjournalisten kritisch berichten müssen, etwa nach einem Umweltskandal, steckt hinter den Verursachern oftmals ein international agierender Großkonzern oder ein Tochterunternehmen. Ist die Berichterstattung in diesen Fällen nicht wasserdicht, kann das unangenehme Folgen für das Medium und den Journalisten haben.

Die richtigen Ansprechpartner kennen

Neben offiziellen Stellen wie den Umweltministerien von Bund und Ländern sollte der Umweltjournalist außerdem die Strukturen der Umweltschutzorganisationen kennen, um schnell die richtigen Ansprechpartner zu finden. Weil im Umweltschutzbereich privates und ehrenamtliches Engagements in Vereinen sehr groß ist, lässt sich abseits der großen Organisationen wie Bund Naturschutz oder Greenpeace zweifelsfrei einschätzen, welche Organisationen als seriös eingestuft werden können.

Wie lässt sich der Umweltjournalismus gliedern?

Weil der Umweltjournalismus schier zahllose Facetten hat und nahezu jeden Lebensbereich der Mediennutzer erfassen kann, ist eine konventionelle Gliederung schwierig. Thematisch lässt sich der Umweltjournalismus in folgende Bereiche gliedern:

Naturjournalismus

Der Naturjournalismus befasst sich in erster Linie mit der Natur sowie ihrer Pflanzen- und Tierwelt. Gepflegt wird der Naturjournalismus in verschiedenen Ressorts, wobei Tourismus und Reisen eine wichtige Rolle spielen. Themen können aber auch die Nationalparks sein, in welchen die typische Fauna und Flora erforscht wird, aber auch die Folgen des sich abzeichnenden Klimawandels durch die Einwanderung neuer Arten beobachtet werden.

Umweltpolitik

In diesem Bereich dürften Umweltjournalisten am häufigsten gefragt sein, weil sich das Thema Umwelt in der Politik vom lokalen Geschehen bis hin zu internationalen Übereinkünften finden lässt. Lokaljournalisten müssen sich beispielsweise mit der Umweltthematik befassen, wenn sich Stadt- oder Gemeinderat mit der Ausweisung von neuen Bau- und Gewerbegebieten befasst, weil hier auch naturschutzrechtliche Aspekte eine Rolle spielen. Auf nationaler Ebene war in der jüngeren Vergangenheit etwa das Erneuerbare Energien-Gesetz ein dominierendes Thema im Umweltjournalismus. Auf globaler Ebene sind es meist verheerende Katastrophen wie das Reaktorunglück im japanischen Fukushima, die Umweltjournalisten Anlässe zur Berichterstattung liefern.

Wirtschaftsbezogener Umweltjournalismus

Häufig befasst sich der Umweltjournalismus im Wirtschaftsteil mit der Frage, wie gut sich Umweltschutz auch rechnet. Auch zahlreiche Unternehmen stellen ihr ökologisches Engagement gern in den Fokus der Aufmerksamkeit. In vielen Fällen handelt es sich dabei jedoch um Fälle von sogenanntem Greenwashing. Beispielsweise sorgte die Regenwaldkampagne der Brauerei Krombacher für eine große Medienresonanz und positive Berichterstattung. Ein nachhaltiger Schutzeffekt für den Regenwald konnte dadurch aber nicht erreicht werden.

Umweltwissenschaftsjournalismus

Selbst dieses relativ eng gesteckte Feld des Umweltjournalismus umfasst eine relativ große Bandbreite. Neu entdeckte Arten stehen hier ebenso auf der Agenda der Umweltjournalisten wie komplexe ökologische Zusammenhänge, die von Wissenschaftlern erforscht werden. Dieser Bereich zählt zu den anspruchsvollsten Facetten des Umweltjournalismus, weil hier ein großes Fachwissen vonnöten ist.

Technischer Umweltjournalismus

Der technische Umweltjournalismus befasst sich ausschließlich mit den technischen Aspekten der Ökologie. Klassische Beispiele sind hier etwa die Funktionsweise von Solaranlagen, Windrädern oder Wärmedämmung im Haus.

Lebensstil-Umweltjournalismus

Der Lebensstil-Umweltjournalismus befasst sich in erster Linie mit Lifestyle und Ökologie. So gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Designern, die Möbelstücke und sogar Kleidungsstücke aus recycelten Materialien herstellen. Aber auch der gesellschaftliche Wandel, der sich aus der wachsenden Bedeutung des Umweltschutzes ergeben hat, kann in diesem Themenkomplex Anlass zur Berichterstattung geben.

Die Erzählweise eines Umweltjournalisten

Zu welcher Darstellungsform der Umweltjournalist greift, ist stark themenabhängig. Während sich im Bereich des Naturjournalismus die Darstellungsform des Berichts und der Reportage anbietet, kann für Berichte aus Wissenschaft und Technik auch die Nachricht eine Option darstellen. Meinungsbetonte Textsorten wie Feature, Glosse oder ein Kommentar werden meist dann gewählt, wenn größere Zusammenhänge dargestellt werden. Einen beliebten Einstieg in das Thema stellt die "Was wäre wenn?"-Frage dar, mit welcher eine Grundvoraussetzung für den Aufbau des Textes definiert wird.

Welche Rolle nimmt der Umweltjournalist ein?

Üblicherweise nimmt der Umweltjournalist die Rolle des neutralen Berichterstatters oder Beobachters ein. Er sollte sich weder von Unternehmen noch von Umweltverbänden zu sehr vereinnahmen lassen, um seinen Status als kritischer Berichterstatter im Auge des Mediennutzers nicht zu verlieren. Ein weiterer Grund stellen die langfristigen Entwicklungen dar. So wurden in der Vergangenheit etwa Ölfirmen massiv kritisiert, weil Bohrplattformen, die nicht mehr genutzt wurden, nicht abgebaut, sondern allenfalls in den Tiefen des Meeres versenkt wurden. Inzwischen hat sich jedoch herausgestellt, dass sich die versenkten Plattformen inzwischen zu ökologischen Nischen entwickelt haben, die ähnlich den Riffen eine Heimat für zahlreiche Arten darstellen können.

Welche Perspektiven hat der Umweltjournalismus?

Auch wenn sich die Entwicklung des Umweltjournalismus wohl nicht so rasant fortsetzen wird, wie es in den vergangenen Jahren der Fall war, dürfte seine Bedeutung künftig weiter anwachsen. Dafür sprechen mehrere Gründe: So haben sich Umweltschutzverbände mittlerweile auch als eine wichtige Größe in der Politik etabliert, die Einfluss auf Entscheidungen nehmen können. Zum anderen sind die Verbraucher und Mediennutzer mittlerweile sehr viel sensibler, was Ökologie und Umweltschutz betrifft. Ein wichtiger Grund für die höhere Sensibilität ist auch, dass immer mehr Menschen an Allergien und Unverträglichkeiten leiden.

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