Kurseinheit F110 Technikjournalismus

Kurseinheit

Lernziel Die Teilnehmenden sollen das Berufsbild des Technikjournalisten kennen lernen und einen Einblick in das das Berichterstattungsfeld „Technik" und seine Besonderheiten erhalten.
 
Studienbriefautor Prof. Dr. Andreas Schümchen, Dipl.-Journ. (FH) Jennifer Schwanenberg und Dipl.-Journ. (FH) Timo Stoppacher
 
Belegungsempfehlung Dieser Studienbrief wird Teilnehmenden empfohlen, die interessiert sind, über Technikthemen zu berichten.
 
Inhalte Einleitung; Technik attraktiv präsentieren; Technikthemen finden und recherchieren; journalistische Darstellungsformen im Technikjournalismus; Technikjournalismus in den verschiedenen Medien.
 
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Technikjournalismus

Der Technikjournalismus umschreibt alle Formen der Berichterstattung, die Technik und technische Zusammenhänge zum Inhalt haben. Statt diese Themen in einem Ressort zu bündeln, präsentieren zahlreiche Medien Themen aus dem Technikjournalismus in verschiedenen Ressorts. Denn die Bandbreite des Technikjournalismus reicht von Wohnen über Mobilität, Industrie und Umwelt bis hin zur Kommunikation. Aus diesem Grund ergeben sich zahlreiche Schnittpunkte zwischen den Technikthemen und anderen Ressorts.

Welche Aufgaben hat der Technikjournalismus?

Zunächst einmal geht es im Technikjournalismus darum, technische Zusammenhänge oder Produkte zu erklären. Dafür muss der Technikjournalist im ersten Arbeitsschritt die Fachsprache in verständliches Deutsch übersetzen. Anschließend sollte er außerdem in der Lage sein, zu erklären, welchen konkreten Nutzen der Mediennutzer von einer Innovation hat. So interessierte sich zum Beispiel ein breiter Kreis an Mediennutzern für technische Themen, als das Erneuerbare Energien-Gesetz verabschiedet wurde und die Verbraucher für die Einspeisung von Solarstrom ins öffentliche Stromnetz attraktive Förderungen erhielten. Weil jedoch vielen nicht klar war, welche Lösung optimal für ihre Immobilie war, bestand ein großer Informationsbedarf bei den Immobilienbesitzern über die Möglichkeiten.

Zwingend notwendig für einen Technikjournalisten ist Technikkompetenz, die er sich üblicherweise durch ein technisches Studium erwirbt. Die Fachrichtung ist dabei eher nebensächlich, weil es für den Technikjournalisten ohnehin in erster Linie darum geht, die Zusammenhänge und die Fachsprache leichter begreifbar und verständlich machen zu können.

Eine Spezialisierung auf ein bestimmtes Thema ist allenfalls für Technikjournalisten möglich, die sich nach einem IT-Studium auf die Themen Computer oder Software oder nach einem Architekturstudium in Richtung Technik am Bau spezialisieren. Ansonsten müssen Technikjournalisten im Idealfall das komplette Themenfeld abdecken können.

Welche Herausforderungen erwarten Journalisten im Technikjournalismus?

Die größte Herausforderung, die einen Technikjournalisten erwartet, besteht darin, Themen für den Mediennutzer verständlich aufzubereiten. Dabei stellt jede Mediengattung den Journalisten vor besondere Herausforderungen. Während Online-Medien und Fernsehsender mit Videos und ausführlichen Infografiken arbeiten können, ist der Platz hierfür in Printmedien - außerhalb von Fachzeitschriften - oft zu begrenzt für bildhafte Erklärungen. Der Printjournalist muss die Zusammenhänge also ebenso wie der Radiojournalist in erster Linie mit Worten erklären können.

Die Präsentation von Technikthemen

Weil es sich bei Technik um eine relativ trockene Materie handelt, hängt der Erfolg eines Beitrages wesentlich von der Präsentation ab. Während mit einer knackigen Überschrift und einem geeigneten Bild die Aufmerksamkeit des Lesers auf den Bericht gelenkt wird, ist der Aufbau eines Spannungsbogens, um eine Geschichte zur erzählen, ein beliebtes Stilmittel für den eigentlichen Beitrag. Spannung kann beispielsweise dadurch erzeugt werden, dass Konflikte beleuchtet werden. Außerdem ist eine gut durchdachte Struktur vor allem bei längeren Beiträgen wichtig.

Welche Themen eignen sich?

Grundsätzlich ist für die verschiedenen Gruppen der Mediennutzer jedes Technikthema von Interesse - häufig wissen sie das nur noch nicht. Der Grund: Sehr häufig berichten Technikjournalisten über Neuerungen oder Erkenntnisse aus Forschungslabors und den Entwicklungsabteilungen von Unternehmen. Bekannt sind diese deshalb allenfalls Experten, keinesfalls aber einer breiten Schicht der Bevölkerung. In Publikumsmedien stehen deshalb meist konkrete Produkte im Vordergrund, während in Fachmedien durchaus auch Diskussionen zu einem beliebigen Technikthema angestoßen werden können.

Diese Themen können bei einem entsprechenden Interesse natürlich auch den Weg aus den Fach- in die Publikumsmedien finden. Musterbeispiele dafür sind die Atomenergie und ihre Gefahren sowie die aktuellen Trends der Computertechnologie. Erstere fand den Weg in die Publikumsmedien im Zuge des höheren Umweltbewusstseins, während Computerthemen aufgrund der Tatsache, dass die schnellen Rechner Einzug in nahezu alle Lebensbereiche gefunden haben, für die Mediennutzer interessant sind.

Die passenden Themen für jede Zielgruppe

Als Zielgruppe des Technikjournalismus gelten also Experten ebenso wie Laien. Journalisten, die für ein Fachpublikum berichten, müssen deshalb in der jeweiligen Szene gut vernetzt sein und stoßen dadurch auf die Ideen für ihre Themen. Technikjournalisten, die für ein breites Publikum berichten, werden hingegen oft von den Herstellern direkt auf neue Produkte aufmerksam gemacht und erhalten für die Berichterstattung Prototypen, bevor die Produkte auf den Markt kommen.

Welche Darstellungsformen werden genutzt?

Grundsätzlich stehen dem Technikjournalisten sämtliche journalistischen Darstellungsformen offen. Für welche er sich entscheidet, hängt stark vom jeweiligen Thema ab.

Geht es um neue Produkte oder um Produkte, die weiterentwickelt wurden, ist eher ein informierender Stil gefragt. Der Mediennutzer will in diesem Fall in erster Linie alle wichtigen Fakten kennen, welche die Grundlage für seine Kaufentscheidung darstellen.

Nicht selten präsentieren Technikjournalisten eine personenbezogene Darstellung des Themas. Sie beleuchten etwa eine neue Entwicklung, indem sie ein Interview mit dem Entwickler machen und diesen erklären lassen. Bei einigen Themen kann sich auch eine Reportage anbieten, in welcher die Arbeit der Forscher oder der konkrete Nutzen eines neuen Produktes ausführlich beleuchtet wird. Portraits sind im Technikjournalismus eher selten, werden aber durchaus in den Medien gebracht. Das kann etwa der Fall sein, wenn ein Grundlagenforscher mit einer hohen Auszeichnung wie dem Nobelpreis geehrt wird.

Sehr häufig sind außerdem Testberichte im Technikjournalismus anzutreffen. Die bekannteste Form stellen Testberichte dar, in welchen etwa die neuesten Smartphones der verschiedenen Hersteller direkt miteinander verglichen werden. Auch wenn sich die Journalisten in diesem Fall um Neutralität bemühen, fließen in die Bewertung doch persönliche Meinungen mit ein. Glossen oder Kommentare werden dagegen eher begleitend zu einem umfangreicheren Bericht verfasst.

Gibt es Unterschiede zwischen den Mediengattungen?

Technikjournalismus wird in allen Medien gleichermaßen gepflegt und betrieben, jedoch gibt es einige medienspezifische Besonderheiten, die sich aus der jeweiligen Mediengattung ergeben.

Technikjournalismus hat in den Printmedien in erster Linie einen informativen Charakter. Hier werden neue Produkte und Verfahren für die jeweilige Zielgruppe vorgestellt und gegebenenfalls Tests veröffentlicht. In den Publikumsmedien versteht sich der Technikjournalismus in erster Linie als Service am Leser. Tiefer in die Materie hinein gehen hingegen Fachmagazine, in welchen die Technikjournalisten auch den redaktionellen Platz haben, um die Themen umfassend und von verschiedenen Seiten her zu beleuchten. Fachzeitschriften haben außerdem den Vorteil, dass die Technikjournalisten von einem gewissen Vorwissen der Mediennutzer ausgehen können und deshalb weniger Grundsätzliches erklären müssen.

Im Radio beschränkt sich Technikjournalismus meist auf kürzere Nachrichten, da im Begleitprogramm das Umfeld für eine tiefer gehende Berichterstattung fehlt. Im Fernsehen beschränkt sich der Technikjournalismus in erster Linie auf Themen, die sich visuell darstellen lassen.

Das Internet bietet auch dem Technikjournalisten große Chancen. Der große Vorteil von Plattformen, die sich an Laien richten: Sie können einen Bericht direkt mit Forschungseinrichtungen, Fachmedien und Experten verlinken, sodass sich die Leser tiefgreifender informieren können.

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