Kurseinheit F100 Sportjournalismus

Kurseinheit

Lernziel Die Teilnehmenden sollen das Berufsbild des Sportjournalisten kennen lernen und einen Einblick in das Berichterstattungsfeld „Sport" und seine Besonderheiten erhalten.
 
Studienbriefautor Prof. Dr. Thomas Schierl und Dr. Christoph Bertling
 
Belegungsempfehlung Dieser Studienbrief wird Teilnehmenden empfohlen, die interessiert sind, über Sportthemen zu berichten.
 
Inhalte Entwicklung des Sportjournalismus; aktuelle Arbeitsbedingungen im Sportjournalismus; das Berufsfeld Sportjournalismus; Präsentation des Sports in den Medien; ethische Aspekte der Sportberichterstattung.
 
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Sportjournalismus

Beim Sportjournalismus handelt es sich um eines der wichtigsten Ressorts für die meisten Publikumsmedien. Während der Politik- und Kulturteil vielen Medien als redaktionelle Flaggschiffe dienen, mit welchen journalistische Kompetenz gezeigt werden kann, dient der Sportteil in erster Linie, um die Mediennutzer an das Medium zu binden.

Ein Ressort mit tiefen Wurzeln

Die Berichterstattung über wichtige sportliche Ereignisse erfolgt, seitdem es diese gibt, auch wenn die Berichterstattung über Jahrhunderte hinweg nicht als Sportjournalismus bezeichnet wurde. So sind aus dem antiken Griechenland Siegerlisten von Olympischen Spielen und anderen Sportereignissen bekannt. Auch über Gladiatorenkämpfe im alten Rom und über mittelalterliche Turniere wurde für diejenigen Interessenten, die nicht persönlich zuschauen konnten, berichtet.

Der Sportjournalismus im eigentlichen Sinn hat sich im frühen 18. Jahrhundert entwickelt. Allerdings hatte er in den frühen Zeitungen dieser Jahrzehnte noch keinen allzu großen Stellenwert - diese dienten in erster Linie nämlich dazu, um offizielle Verlautbarungen publik zu machen.

Ein Ressort für privilegierte Bürger

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts konnte sich der Sportjournalismus schließlich als eigenständiges Ressort etablieren, das sportliche Geschehen wurde vor allem von privilegierten Bürgerschichten beobachtet. 1895 wurde schließlich mit der „Sport im Bild" sogar die erste Fachzeitschrift gegründet, die sich ausschließlich sportlichen Themen widmeten.

Fußball wird zum Volkssport

Die beiden Weltkriege sorgten für eine Zäsur im Sportjournalismus, die Berichterstattung über sportliche Ereignisse wurde während der Kriegsjahre auf ein absolutes Mindestmaß zurückgefahren. Jedoch konnte sich das Ressort durch diese Unterbrechungen auch weiterentwickeln. So erwarb der Fußball während des Ersten Weltkrieges eine weltweite Fangemeinde und wurde medienübergreifend zu einer dominierenden Sportart in der Berichterstattung.

Technische Entwicklung als Triebfeder für Journalisten

Technische Entwicklungen, Neuerungen und neue Medien sind für Sportjournalisten mehr als für die Kollegen aus anderen Ressorts beliebte Experimentierfelder. So dauerte es nicht allzu lange, bis nach der weiten Verbreitung von Hörfunk und Fernsehen die ersten Live-Berichte von sportlichen Ereignissen übertragen wurden. Als besonderer Meilenstein für den Sportjournalismus gilt das Jahr 1954, als die Fußball-Weltmeisterschaft in der Schweiz erstmals live übertragen wurde.

Sportjournalismus in einer Win-Win-Situation?

Vom großen Interesse der Mediennutzer an sportlichen Ereignissen profitieren sowohl die Medien als auch der Sport an sich. Die Medien können durch die Berichterstattung einen treuen Stamm von Stammnutzern halten und - wenn attraktive Events übertragen werden - sogar neue Mediennutzer für sich gewinnen. Das ist auch der Grund dafür, warum zahlreiche prominente Sportler im Anschluss an ihre aktive sportliche Karriere in den Medien viele Türen offenstehen. Sie können entweder direkt in den Sportjournalismus einsteigen oder als Kolumnisten aktuelle Trends mit ihrem Hintergrundwissen aus der aktiven Zeit kommentieren.

Der Sport profitiert in zweierlei Hinsicht vom großen Interesse der Medien. Vor allem Randsportarten erreichen durch die Berichterstattung ein größeres Publikum, sodass sich möglicherweise auch mehr aktive Sportler für die jeweilige Sportart interessieren.

Vor allem für Massensportarten mit einem großen Fankreis wie Fußball, Formel 1 oder Olympische Spiele stellt der Verkauf der Übertragungsrechte an die Medien darüber hinaus eine wichtige Säule der Finanzierung dar. Diese komfortable Situation hat sich ab Anfang der 1990er Jahre entwickelt, als zahlreiche private Fernseh- und Hörfunksender an den Start gingen. Für die Vereine bedeutet dieser finanzielle Segen, dass sie auch internationale Top-Stars verpflichten und somit die eigene Attraktivität erheblich steigern können.

Das Feld der Berichterstattung wird ausgeweitet

Vor allem Fernsehen und Internet gelten als große Experimentierfelder des Sportjournalismus. Während sich Printmedien in erster Linie auf diejenigen Sportarten konzentrieren, für die sich eine Vielzahl an Mediennutzern interessieren, berichten Online-Medien und Spartensender im Fernsehen zunehmend über Randsportarten wie Billard-Turniere oder Extremsport-Events. Weil diese dadurch eine größere Reichweite erhalten, sind sie auch für diverse Sponsoren interessant geworden, sodass sich auch hier die finanzielle Situation der Sportler erheblich verbessert hat.

Faszination Sportjournalist

Grundlegend unterscheidet ich die Tätigkeit im Sportjournalismus nicht großartig von den Abläufen in anderen Ressorts. Allerdings wird der Terminplan eines Sportjournalisten stärker von außen bestimmt als es in anderen Ressorts der Fall ist. Zudem kann es sich ein Sportjournalist nicht leisten, seiner Tätigkeit ausschließlich vom Schreibtisch aus nachzugehen. Er muss also vor Ort sein, um von einem Ereignis und Hintergründen berichten zu können.

Ein Beruf mit vielen Facetten

Je nachdem, für welches Medium der Sportjournalist arbeitet, muss er verschiedene Rollen einnehmen. So erwartet der Mediennutzer von Print- und Online-Medien eine möglichst neutrale Berichterstattung von einem Ereignis. Neutralität ist im Fernsehen und im Hörfunk dagegen allenfalls bei den Nachrichten gefragt.

Wo der Journalist emotional sein darf

Für Sportjournalisten in Fernsehen und vor allem in Hörfunk gehört das Kommentieren von Ereignissen zu den wesentlichen Aufgaben. Er muss das Geschehen auf dem Spielfeld so darstellen, dass sich der Zuschauer und Zuhörer ein lebendiges Bild machen kann. Während der Übertragung darf die Tonalität des Beitrages also durchaus emotional sein. Jedoch sollte die Neutralität insoweit gewahrt werden, dass für den Mediennutzer keine Präferenz des Sportjournalisten erkennbar ist.

Einen emotionalen Grundtenor kann der Sportjournalist auch anschlagen, wenn es Anlass zu Kritik gibt. In die Rolle des Kritikers kann der Sportjournalist entweder als Kommentator oder als Interviewer schlüpfen, wenn er den Akteuren kritische Fragen stellt.

Ganz gleich, ob der Sportjournalist berichtet oder kommentiert, er sollte in jedem Fall in der Lage sein, Hintergrundinformationen in seinen Beitrag einzustreuen. Umso wichtiger ist die Rolle des Informierers zu Beginn und zu Ende einer Saison, wenn eine Vorausschau gegeben oder Bilanz gezogen wird.

Sport als Show-Event

Angesichts der großen Konkurrenz auf dem Medienmarkt wird die Präsentation der Berichterstattung immer wichtiger. Der Sportjournalist, der etwa in Hörfunk oder Fernsehen als Moderator fungiert, tritt hier sehr oft als Entertainer auf, der den Gegenstand der Berichterstattung zur Show macht. Eine ähnliche Tendenz lässt sich auch bei Online-Medien feststellen, wo mit diversen journalistischen Darstellungsformen experimentiert wird.

Sportjournalismus und Ethik

Ethische Aspekte spielen im Sportjournalismus eine nahezu allgegenwärtige Rolle. Denn in zahlreichen Sportarten ist der Einsatz von leistungssteigernden Mitteln nicht unüblich. Hier spielt der Sportjournalist eine wichtige Rolle, um die Fans der Sportart aufzuklären und Hintergründe aufzudecken. In der Formel 1 etwa bewegen sich die Konstrukteure der Rennställe permanent an der Grenze des Erlaubten, um die größtmögliche Leistung aus den Fahrzeugen herauszuholen. International für Aufsehen und Schlagzeilen sorgte in den 1990er Jahren das Thema Doping im Radsport, nachdem zahlreiche Fahrer aus der Weltspitze des Dopings überführt worden waren.

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