Kurseinheit F080 Politikjournalismus

Kurseinheit
 
Lernziel Die Teilnehmenden sollen das Berufsbild des Politikjournalisten kennen lernen und einen Einblick in das das Berichterstattungsfeld „Politik" und seine Besonderheiten erhalten.
 
Studienbriefautor Mike Kortsch
 
Belegungsempfehlung Dieser Studienbrief wird Teilnehmenden empfohlen, die interessiert sind, als Politikjournalisten tätig zu werden.
 
Inhalte Politik und Massenmedien; Selbstverständnis der Politikjournalisten; Nachrichtenwerte; Themen, Quellen, Recherche; Politikjournalismus in Printmedien; Politikjournalismus im Radio; Politikjournalismus im Fernsehen; Internet und Mobilfunkgeräte.
 
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Politikjournalismus

Das Politikressort gilt vor allem in vielen Printmedien als Flaggschiff der redaktionellen Berichterstattung. Deshalb genießen Politikjournalisten intern und auch bei den Mediennutzern oft eine besondere Wertschätzung, vor allem wenn sie sich ein ausreichendes Renommee erarbeitet haben, um regelmäßig Kommentare zum politischen Geschehen oder gar Leitartikel zu verfassen. Von Politikjournalisten werden von beiden Seiten ein Höchstmaß an Neutralität und Sorgfalt erwartet.

Schließlich wollen die Medien - abgesehen von solchen mit einer eindeutigen politischen Ausrichtungen - ihren Nimbus als neutrale Instanz nicht gefährden. Dass sich gravierende Fehler, die in diesem wichtigen Ressort gemacht werden, verhängnisvoll auf das Medium auswirken können, zeigte die Affäre um die gefälschten Hitler-Tagebücher, die das Magazin Stern publik gemacht hatte. Dieser Skandal hatte einen massiven Auflagen- sowie einen nachhaltigen Ansehensverlust zur Folge.

Welche Aufgabe hat der Politikjournalismus?

Nach den Erfahrungen des Dritten Reiches mit seinen gleichgeschalteten Medien wurde die Presselandschaft im Nachkriegsdeutschland als sogenannte vierte Gewalt im Staate installiert. Die unabhängige Presse sollte also ein Korrektiv zur Legislative, Exekutive und Judikative darstellen und überwachen, ob die staatlichen Organe ihren verfassungsgemäßen Aufgaben nachkommen.

Das bedeutet zunächst, dass der Politikjournalist die politischen Zusammenhänge und Hintergründe für den Mediennutzer übersetzen muss. Durch diese Funktion trägt der Politikjournalist zur politischen Willensbildung bei, was jedoch nicht immer konfliktfrei vonstattengeht.

Der Politikjournalist als kritischer Fragensteller

Auch wenn Bundeskanzler, Ministerpräsidenten und Abgeordnete sich das vielleicht wünschen würden, verkaufen Politikjournalisten Entscheidungen nicht, sondern hinterfragen sie und präsentieren dem Mediennutzer das Ergebnis ihrer Recherche. Das hat bereits in der Vergangenheit zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Politik und Medien gesorgt. Der Vorwurf des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, dass auch ZDF und ARD eine Kampagne betrieben, um ihn abzusetzen, ist im Vergleich zur Spiegel-Affäre oder jüngeren Entwicklungen sogar noch harmlos.

Hintergrund der Spiegel-Affäre waren geheime Dokumente des Verteidigungsministeriums, wonach die Bundesrepublik nur bedingt verteidigungsbereit sei. Diese Publikation hatte eine groß angelegte Razzia in den Redaktionsräumen zur Folge, sodass die Redaktion des Nachrichtenmagazins auf die Infrastruktur anderer Medien zurückgreifen musste, um die nächsten Ausgaben produzieren zu können. Weil auch unter der Regierung von Angela Merkel immer wieder Interna an die Öffentlichkeit gelangten, wurde überlegt, das Presserecht zu verschärfen.

Wie sieht sich der Politikjournalist selbst?

Auch wenn Politiker und Mediennutzer gelegentlich einen anderen Eindruck haben, sieht sich der Politikjournalist in erster Linie als neutraler Beobachter, der kritisch hinterfragt. Diese kritische Fragestellung ist ursprünglich auch gewollt und hat sich in der Vergangenheit auch bewährt. Beispielsweise wurde der von Anfang an umstrittene Vietnamkrieg erst beendet, nachdem die Berichterstattung zunehmend kritischer geworden war.

Die Basis für die Berichterstattung

Die Basis für die Tätigkeit des Politikjournalisten bilden die Themen, die in Bundestag und den Landtagen aktuell behandelt werden oder bereits entschieden wurden. Diese Informationen, die üblicherweise von den Pressestellen der Parteien und Regierungen geliefert werden, werden entweder als Nachrichten gebracht oder bilden die Grundlage für eine tiefer gehende Recherche. Neben den Abgeordneten der Regierung und der Opposition dienen auch NGOs sowie externe Einrichtungen und Experten als Informanten für die Berichterstattung. Welche Themen in welchem Umfang bearbeitet werden, wird in der Morgenkonferenz besprochen. Eine weitere Besprechung erfolgt üblicherweise am Nachmittag. Denn zwischenzeitlich kann sich die Nachrichtenlage geändert haben oder ein Thema hat an Gewicht zu- oder abgenommen.

Wie wird Politikjournalismus in den Mediengattungen präsentiert?

Auf welche Art Politikjournalismus betrieben und präsentiert wird, ist in erster Linie abhängig von der Mediengattung und vom konkreten Medium selbst.

Printmedien

Der Politikjournalismus gilt als große Domäne der Printmedien und bildet sowohl in Nachrichtenmagazinen als auch in Tageszeitungen auch vom redaktionellen Umfang her das größte Ressort. Obwohl in den Printmedien sämtliche Arten der Berichterstattung Eingang finden, gibt es dennoch Unterschiede.

Tatsachenbetonte Textarten bilden bei Tageszeitungen und Magazinen den Schwerpunkt, wobei die Berichte in Magazinen meist deutlich länger ausfallen und dem Mediennutzer ein Mehr an Hintergrundinformationen liefern. Während bei Tageszeitungen jedoch nur wenige, wichtige Themen aus unterschiedlichen Gesichtspunkten beleuchtet werden, geschieht dies in Magazinen auch bei Themen, welche als nicht so bedeutend gewertet werden. Hier wird die Berichterstattung teilweise auch von mehreren Kommentaren und kurzen Interviews mit politischen Entscheidungsträgern abgerundet.

Hörfunk

Weil der Hörfunk zunehmend als Nebenbei-Medium gilt, erfolgt die Berichterstattung aus der Politik meist nur in Form von Nachrichten, die stündlich wiederholt und abgeändert werden, wenn sich die Nachrichtenlage geändert hat. Wie ausführlich die Berichterstattung insgesamt ausfällt, hängt davon ab, ob es sich um einen privaten Sender mit dem Schwerpunkt auf Unterhaltung oder einen öffentlich-rechtlichen Sender handelt.

Letztere behandeln politische Themen auch ohne besonderen Anlass im Begleitprogramm mit ausführlichen Features oder Reportagen. Gerne werden diese mit sogenannten O-Tönen politischer Entscheidungsträger untermalt. Ausführliche Interviews hingegen werden meist nur bei besonderen Anlässen oder im Wahlkampf geführt. Hier müssen die Journalisten allerdings darauf achten, dass die Parteien in etwa gleichwertig behandelt werden.

Fernsehen

Geht es um die politische Meinungsbildung der Mediennutzer hat das Fernsehen schon längst die Tageszeitungen als Leitmedium abgelöst. Weil das Fernsehen in erster Linie von passenden Bildern lebt, sind Nachrichten die dominante journalistische Darstellungsform aus dem Politikjournalismus.

Als weiteres wesentliches Format, in dem aus der Politik berichtet wird, ist die Talkshow, die gern in Form einer Expertenrunde präsentiert wird. Dies hat den Vorteil, dass widersprüchliche Meinungen direkt und unmittelbar geäußert werden können. Diese müssen vom gastgebenden Moderator und seinem Redaktionsteam aber sehr gut vorbereitet sein, weil ihm hier meist absolute Experten auf ihrem Gebiet gegenüber sitzen.

In den vergangenen Jahren hat es sich außerdem etabliert, dass vor Wahlen die Kandidaten nicht mehr gesondert im Rahmen von Interviews präsentiert werden. Stattdessen finden sogenannte Elefantenrunden statt, in welchen die Spitzenkandidaten der Parteien die Fragen direkt und unmittelbar beantworten müssen. Daraus kann sich ebenso wie in den Talkshows ein regelrechtes Streitgespräch entwickeln. Dies bietet dem Mediennutzer jedoch die Möglichkeit, die Authentizität der Kandidaten selbst einschätzen zu können.

Neue Medien - Ergänzung oder Konkurrenz?

Für die etablierten Medien stellt das Internet eine willkommene Möglichkeit dar, das eigene Medium zu präsentieren. Denn im Netz lassen sich Nachrichten fast ohne Zeitverlust veröffentlichen, wird ausführlicher darüber berichtet, verweisen die Nachrichten auf den ausführlichen Beitrag im eigentlichen Medium. Daneben haben sich mit der Blogger-Szene als Basis eine ganze Reihe neuer Online-Magazine etabliert, die ebenfalls Politikjournalismus betreiben und damit zur Meinungsvielfalt beitragen.

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