Kurseinheit F070 Musikjournalismus

Kurseinheit
 
Lernziel Die Teilnehmenden sollen das Berufsbild des klassischen Musikjournalisten kennen lernen und einen Einblick in das das Berichterstattungsfeld „klassische Musik" und seine Besonderheiten erhalten.
 
Studienbriefautor Prof. Dr. Holger Noltze
 
Belegungsempfehlung Dieser Studienbrief wird Teilnehmenden empfohlen, die interessiert sind, als klassische Musikjournalisten tätig zu werden. Da Musikjournalismus eine Spezialisierung des Kulturjournalismus darstellt, wird empfohlen, den Studienbrief zusammen mit F060 Kulturjournalismus zu belegen.
 
Inhalte Anforderungen: Was soll ich können?; Kritik und Rezension; Moderation; Interview; „Gebauter Beitrag" und Reportage, Bericht; Portrait; Feature; Programmheft-Texte; Pressetexte.
 
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Musikjournalismus

Eigentlich handelt es sich beim Musikjournalismus um eine spezielle Form des Kulturjournalismus. Innerhalb des Ressorts bewegt sich der Musikjournalist in einem thematisch sehr engen Spektrum, insgesamt bietet das Berufsbild jedoch grundsätzlich weiter gefasste Tätigkeitsfelder als es in anderen journalistischen Ressorts der Fall ist. Auf diese Besonderheit hin ist auch die Ausbildung ausgerichtet, bei der die möglichen Darstellungsformen, die im Musikjournalismus gebräuchlich sind, im Vordergrund stehen.

Welche Beschäftigungsmöglichkeiten gibt es für Musikjournalisten?

Im Printbereich sind Musikjournalisten außerhalb der Fachmedien meist allenfalls als freie Mitarbeiter gefragt. Hier wird die Berichterstattung über Musikthemen meist von den regulären Mitarbeitern des Feuilletons übernommen.

Das wichtigste Betätigungsfeld findet der Musikjournalist im Hörfunk, vor allem bei Unterhaltungssendungen. Der Musikjournalist bereitet hier entweder die wichtigen Informationen für die Moderatoren auf oder tritt als Moderator selbst ans Mikrofon.

Auch Online-Medien bieten vielfältige Möglichkeiten für Musikjournalisten, zumal es inzwischen zahlreiche Webradios gibt, die ausschließlich via Internet zu empfangen sind. Daneben gibt es außerdem zahlreiche Magazine, in welchen Themen aus der Musik präsentiert werden.

Im Fernsehen ist die Situation hingegen ähnlich wie bei Printmedien. Abgesehen von Spartenkanälen und Special-Interest-Sendungen bietet der Umfang der Berichterstattung allenfalls Raum für die Betätigung freier Musikjournalisten.

Was muss ein Musikjournalist können?

Neben den handwerklichen Fähigkeiten, die ein Journalist beherrschen sollte, benötigt ein Musikjournalist weitere Eigenschaften und Wissen, um in seinem Beruf erfolgreich arbeiten zu können. Schließlich sollte ein Musikjournalist grundsätzlich dazu in der Lage sein, alle Genres der Musik bearbeiten zu können, von der Klassik bis hin zu modernen Stilrichtungen.

Das Hintergrundwissen

Profunde Kenntnisse über Musik, die Geschichte der Musik und wichtige Persönlichkeiten sind für einen Musikjournalisten unerlässlich. Ein entsprechendes Studium erleichtert den Einstieg in den Musikjournalismus erheblich, ist aber auch keine Voraussetzung.

Sofern zumindest ein großes Interesse an Musik und ein fundiertes Wissen über die aktuellen Strömungen der Musik vorhanden ist, bietet der Musikjournalismus also auch gute Chancen für Quereinsteiger. Die Betätigungsmöglichkeiten sind dann zwar etwas eingeschränkt, was sich in der Praxis aber vielfach ohnehin von selbst ergibt. Denn Musikjournalisten, die ein besonderes Faible für Klassik, Jazz oder Blues haben, versuchen ebenso wie die Kollegen, die sich auf moderne Trends spezialisiert haben, sich einen gewissen Expertenstatus in ihrem Metier zu erarbeiten statt alle Sparten zu bedienen.

Wichtige Eigenschaften

Eine weitere wichtige Voraussetzung ist ein gutes musikalisches Gehör. Dies ist insofern wichtig, als Rezensionen von neu erschienenen CDs und Berichte über Konzerte zu den Kernaufgaben des Musikjournalisten gehören. Nur wenn er die Qualität der Darbietungen heraushören kann, ist er auch in der Lage, fundiert zu berichten.

Und auch ein gewisses pädagogisches Geschick sollte der Musikjournalist mitbringen. Nicht selten muss er nämlich nachvollziehbar erklären können, warum er zu einer bestimmten Einschätzung gekommen ist. Dies muss auch für Mediennutzer verständlich sein, die zwar gerne Musik hören, die sich aber nicht näher mit der Materie beschäftigen.

Eine unerlässliche Eigenschaft des Musikjournalisten ist wie bei den Kollegen aus anderen Ressorts außerdem die Neugierde. Er muss sich mit den Musikern, die Thema seiner Berichterstattung sind, ebenso befassen wie mit dem gesellschaftlichen und historischen Hintergrund, vor dem sie gearbeitet haben. Das gilt für den klassischen Bereich ebenso wie für moderne Strömungen der Popmusik. Beispielsweise werden die opulenten Opern von Richard Wagner nur dann verständlich, wenn sie historisch im richtigen Kontext eingeordnet werden. Schließlich hat die Heldenverehrung aus der deutschen Sagenwelt seine Wurzeln im aufkeimenden Nationalismus, der während des 19. Jahrhunderts schließlich zur Gründung des Deutschen Reiches führte.

Als Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit darf Kurt Cobain als Wegbereiter des Grunge gelten. Denn die Wut, die unterschwellig in seiner Musik mitschwingt, wird erst dann verständlich, wenn man den wirtschaftlichen Niedergang der Region, in der er aufwuchs und lebte, bei der Betrachtung seines Werkes mit einfließen lässt.

Welche Aufgaben hat ein Musikjournalist?

Das Aufgabenspektrum des Musikjournalisten ist relativ breit gefächert. Die Ankündigung von Konzerten, Neuerscheinungen und sonstigen Aufführungen gehört ebenso dazu wie die anschließende Berichterstattung über das Ereignis und gegebenenfalls eine fundierte Rezension.

Öfter als die Kollegen aus anderen Ressorts haben Musikjournalisten aber die Möglichkeit zum direkten Kontakt mit den Musikern. Denn im Rahmen von Tourneen und Promotion-Aktionen für eine neue CD werden vom Management der Künstler gerne Interviewtermine organisiert, die bevorzugt an Musikjournalisten vergeben werden. Eine schnelle Reaktion ist gefragt, wenn ein herausragender Musiker stirbt. In diesem Fall ist es die Aufgabe des Musikjournalisten, einen Nachruf zu verfassen.

Darüber hinaus muss der Musikjournalist in der Lage sein, über den eigenen Tellerrand schauen zu können. Denn die aktuellen Entwicklungen und Strömungen im Bereich der Musik können ebenfalls Thema der Berichterstattung sein. Dieses Thema wird etwa gern dann aufgegriffen, wenn sich eine bestimmte Musikrichtung weiterentwickelt und sich möglicherweise ein neues Genre abzeichnet. Diese Diskussion wurde etwa in den 1960er Jahren geführt, als sich aus dem noch relativ beschaulichen Rock´n´Roll der 1950er Jahre die moderne Rockmusik entwickelte.

Mehr als nur Journalismus

Speziell im Hörfunk, aber auch im Fernsehen geht der Musikjournalist außerdem weit über das eigentliche Aufgabenfeld eines Journalisten hinaus, indem er diverse Sendungen moderiert. Dass der Journalist zugleich präsentiert, macht in diesem Metier auch durchaus Sinn. Denn hier kann der Musikjournalist, sofern er sich gut vorbereitet hat, schnell auf Aussagen von Musikern und Mediennutzern reagieren oder in seine Moderation interessante Informationen einstreuen. Dies ist in anderen Ressorts wie Politik, Wirtschaft oder Wissenschaft nur eingeschränkt möglich, weshalb hier bei wichtigen Sendungen hinter dem Moderator oft ein mehrköpfiges Rechercheteam steckt, das im Hintergrund recherchiert, während der Moderator weiter durch die Sendung führt. Nach dieser Methode arbeitet etwa der Talkmaster Günter Jauch, dem es dadurch gelang, während der Sendung Aussagen des bayerischen Finanzministers Markus Söder mit Fakten zu widerlegen.

Dass der Musikjournalist teilweise weit über das Aufgabenfeld eines Journalisten hinaus blickt, zeigt sich auch daran, dass die Inhalte der Ausbildung teilweise von rein journalistischen Formaten abweichen. So müssen Musikjournalisten auch in der Lage sein, die Texte für Programmhefte oder Pressemitteilungen zu verfassen.

Der Grund: Weil große Veranstalter und Opernhäuser eine Vielzahl von Konzerten organisieren, legen sie für die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit großen Wert auf ein entsprechendes Fachwissen der Mitarbeiter. Diese Konstellation stellt eine Win-Win-Situation dar, weil sich für die Musikjournalisten dadurch ein weiteres Betätigungsfeld erschließt und ausschließlich fachlich fundierte Informationen an die Medien gehen, welche die anschließenden Rezensionen durch eigene Mitarbeiter verfassen lassen.

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