Kurseinheit F040 Medienjournalismus

Kurseinheit
 
Lernziel Die Teilnehmenden sollen das Berufsbild des Medienjournalisten kennen lernen und einen Einblick in das Berichterstattungsfeld „Medien“ und seine Besonderheiten erhalten.
Studienbriefautor Bernd Oswald
 
Belegungsempfehlung Dieser Studienbrief wird Teilnehmenden empfohlen, die interessiert sind, als Medienjournalisten tätig zu werden.
Inhalte Funktionen und Fallstricke des Medienjournalismus; Akteure, Formen und Formate des Medienjournalismus; Medienkritik im Social Web
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Der Medienjournalismus

Beim Medienjournalismus handelt es sich um ein journalistisches Fachgebiet, welches vor allem die Massenmedien in den verschiedenen Sparten behandelt. Damit zählt der Medienjournalismus zum Fachjournalismus, der von verschiedenen Fachzeitschriften, in einigen Fernsehsendungen und auf den Medienseiten diverser Printmedien gepflegt wird. Zwar bezeichnen sich Medienjournalisten, welche Kino- und Fernsehfilme besprechen, gern als Medien- oder Kulturkritiker. Jedoch ist der Begriff der Medienkritik sehr viel weiter gefasst. Diese umfasst nämlich auch die gesellschaftliche Diskussion darüber, welchen Einfluss und welche Rolle die Medien gesellschaftlich spielen.

Neue Möglichkeiten fanden Medienjournalisten durch das Aufkommen von Webblogs. Die bekanntesten im deutschsprachigen Raum sind Kobuk.at sowie das Bildblog. Diese werden auch gerne als Watchblogs bezeichnet, weil sie die aktuellen Entwicklungen in den Medien kritisch beobachten und ebenso kritisch beurteilen. Die Watchblogs beschäftigen sich aber nicht nur mit den Medien, sondern mit einer Vielzahl an Themen - je nach Ausrichtung des Blogs. Weitere bekannte Blogs thematisieren beispielsweise Politikkritik der Sicherheits- und Verteidigungspolitik.

 

Wie arbeiten Medienjournalisten?

Im Grunde analysieren Medienjournalisten die Sprache, welche in den Medien zu bestimmten Sachverhalten verwendet wird. Um die aktuellen Entwicklungen möglichst fundiert verfolgen zu können, greifen Medienjournalisten gern auf die Webpräsenz der jeweiligen Medien, aber auch auf Blogs und Nachrichtendienste wie Twitter zurück.

 

Wo liegen die Grenzen des Medienjournalismus?

Die große Frage lautet in diesem Zusammenhang, ob Journalisten in der Lage sind, ihre eigene und die Arbeit von Kollegen objektiv beobachten zu können. Denn beispielsweise wurde das Image der US-amerikanischen Presse durch die Berichterstattung während des Irakkrieges stark in Mitleidenschaft gezogen. Hier hatten viele Medienjournalisten kritisiert, dass sich die Presse durch die Regierung zu stark habe vereinnahmen lassen. Der Grund: Viele Journalisten haben sich auf Informanten aus Regierungskreisen verlassen und diese Quellen nicht eingehend überprüft. Aber auch die Selbstreflexion der Journalisten in Deutschland ist im Sinken begriffen, da viele Medien mittlerweile die Berichterstattung im entsprechenden Ressort zurückfahren.

Jedoch ist der Medienjournalismus insgesamt auf dem deutschen Markt wichtiger geworden. Schließlich wird der Medienmarkt hier von einigen wenigen Giganten dominiert und zunehmend engagieren sich ausländische Investoren auf dem deutschen Medienmarkt. Deshalb ist eigentlich mehr Transparenz erforderlich.

 

Was sind Medien?

Mit dem Begriff Medien verbinden die meisten Verbraucher die großen Massenmedien aus Print, Rundfunk und Fernsehen. Der Begriff ist jedoch laut Definition sehr viel weiter gefasst. Als Medien gelten nämlich sowohl Einrichtungen und technische Apparate sowie sonstige Hilfsmittel, mit welchen sich Informationen übermitteln lassen. Auch sogenannte Werbeträger, also Kommunikationsmittel, durch welche sich Werbebotschaften übertragen lassen, gelten als Medien. Als Massenmedien werden lediglich diejenigen Medien bezeichnet, die eine Vielzahl von Mediennutzern erreichen, beispielsweise bekannte Fernsehsender sowie große Tages- und Wochenzeitungen.

 

Für welche Zielgruppe schreiben Medienjournalisten?

Beim Medienjournalismus handelt es sich um eine ressortübergreifende Querschnittsaufgabe. Beispielsweise werden Nachrichten, etwa dass Twitter oder Facebook einen neuen Webdienst übernommen haben oder dass Medienhäuser fusioniert haben, eher im Wirtschaftsteil veröffentlicht als auf den Medienseiten. Die Themen Netzkultur und Nutzung der Online-Medien hingegen fallen eher in den Aufgabenbereich des Feuilletons.

Grundsätzlich arbeiten Medienjournalisten für unterschiedliche Zielgruppen. Dabei handelt es sich sowohl um interessierte Leser, die kein spezielles Vorwissen haben, als auch um andere Journalisten und weitere Vertreter der Medienbranche. Eine weitere Zielgruppe sind Vertreter aus der Medienwissenschaft. Mit den Medienteilen in General-Interest-Angeboten wird dabei in erster Linie das breite Publikum angesprochen, während es für Journalisten, PR-Fachleute und Medienwissenschaftler spezielle Fachmedien gibt.

 

Welche Darstellungsformen gibt es im Medienjournalismus?

Medienjournalisten gelten als besonders experimentierfreudig, was die journalistischen Darstellungsformen betrifft. Sie nutzen einerseits klassische Formate, probieren aber auch gern Neues aus. Der Grund dafür liegt darin, dass viele Medienjournalisten für digitale Medien arbeiten, bei denen gern die Grenzen der klassischen Formate gesprengt werden.

Zu den klassischen Formaten zählen neben Personalie, Hintergrundberichten, Interviews auch Porträts, Screencasts und Tooltipps, Werkstattberichte, Veranstaltungsberichte sowie Ratgeber. Sehr gern berichten Medien übrigens über Personalien. Das betrifft nicht nur Meldungen darüber, wer welche Spitzenposition übernimmt und welchen Hintergrund er hat, sondern auch Berichte von Auszeichnungen, mit welchen Journalisten geehrt oder ausgezeichnet wurden.

 

Welchen besonderen Herausforderungen müssen sich Medienjournalisten stellen?

Weil in den vergangenen Jahren das Personal in den Redaktionen abgebaut wurde, wurde auch der Umfang der Medienseiten reduziert. Deshalb sehen es Experten als dringend erforderlich an, dass der Medienjournalismus an sich umfassender definiert und das Wirkungsfeld erweitert wird. Denn zahlreiche Bereiche, welche eigentlich die Gesellschaftspolitik betreffen, lassen sich nicht vom Einfluss der Medien trennen, wie etwa die Berichterstattungen über den Irakkrieg oder den 11. September 2001 gezeigt haben. Auch derartige Themen sollten Medienjournalisten künftig also im Blickfeld haben.

Eine weitere Problematik ergibt sich daraus, dass sich Medienjournalisten sehr stark an der Arbeit von Kollegen aus anderen Ressorts orientieren müssen. Genau aus diesem Grund sind sie im Rahmen ihrer Tätigkeit in Gefahr, als "Nestbeschmutzer" zu gelten, falls sie ein branchenspezifisches Problem thematisieren. Weil sich die breite Masse der Medienkonsumenten für diese Themen jedoch weniger interessiert, ist es oft verpönt, wenn Journalisten von Kollegen respektvoll auf die Finger geschaut wird.

Eine Möglichkeit, um ein neues Rollenverständnis des Medienjournalismus zu erlangen, bestünde beispielsweise darin, Ombudsleute in den Redaktionen zu installieren. Diese könnten als Vermittler zwischen den Zielgruppen und den Redaktionen fungieren. Dadurch könnte der Medienjournalismus auch hin zu einer besseren Nutzerorientierung führen.

Denn weil Medienjournalisten innerhalb der Medien eine gewisse Unabhängigkeit besitzen, befinden sie sich in einem sogenannten Glashaus-Dilemma: Einerseits agieren sie in einem kollegialen Umfeld, andererseits stehen sie aber auch in einem ökonomischen Interessenskonflikt. Der Grund: Mit dem Anspruch an journalistische Objektivität kollidieren im redaktionellen Alltag oftmals die Interessen des Medienunternehmens. Das bedeutet: Gegenüber dem eigenen Unternehmen wird vom Medienjournalisten Loyalität erwartet, während er gegenüber anderen Unternehmen eine kritische Haltung einnehmen soll. Dies kann unter Umständen zu einem gewissen Glaubwürdigkeitsproblem führen.

 

Welche Zukunft hat der Medienjournalismus?

Wollen sowohl Journalisten als auch Medien das Vertrauen ihrer Zielgruppe gewinnen, sollen sie "Analysen zu ihrer eigenen Funktionsweise entwickeln, und sei es nur, damit wir alle erfahren, wie das Ganze läuft, und um daran zu erinnern, dass sie weder der Kontrolle noch der Beobachtung, noch der Kritik entgehen", sagt Ignacio Ramonet, seines Zeichens Direktor der Monatszeitung "Le Monde diplomatique". Um dieses zu leisten, müssten Medienjournalisten allerdings auch einen stärkeren Dialog mit Medien- und Kommunikationswissenschaftlern pflegen, weil diese eine größere Distanz zum redaktionellen Alltag haben.

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