Kurseinheit F035 Lokaljournalismus

Kurseinheit
 
Lernziel Die Teilnehmenden sollen das Berufsbild des Lokaljournalisten kennen lernen und einen Einblick in die Arbeit einer Lokalredaktion und ihre Besonderheiten erhalten.
Studienbriefautor Gabi Pfeiffer
 
Belegungsempfehlung Dieser Studienbrief wird Teilnehmenden empfohlen, die interessiert sind, als Lokaljournalisten/Lokalreporter tätig zu werden.
Inhalte Lokaljournalismus und seine Besonderheiten; Lokaljournalisten als Generalisten; Entstehungsgeschichte des Lokaljournalismus; Themenfindung im Lokaljournalismus; Lokaljournalismus crossmedial.
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Lokaljournalismus

Der Lokaljournalismus gilt auch in Zeiten der Neuen Medien als absolute Königsdisziplin im Journalismus. Denn anders als die weiteren klassischen Ressorts in den Medien ist beim Lokaljournalisten neben Fachwissen, auch ein breit gefächertes Allgemeinwissen gefragt. Er muss über kommunalpolitische Ereignisse ebenso fundiert berichten können wie über Themen, die wirtschaftlich und kulturell in der Region interessant sind.

Der große Vorteil, den der Lokaljournalist gegenüber seinen Kollegen in Mantelredaktionen hat: Er ist sehr viel näher dran am Mediennutzer, weil er tagtäglich Termine wahrnimmt, bei welchen er im direkten Kontakt mit den Mediennutzern steht.

Vom Lokalen in die große Welt

Der Lokaljournalist erfährt also nicht nur zuerst, was die Mediennutzer tatsächlich bewegt, sondern stößt oft auch auf Themen, die eine überregionale Wirkung entfalten können. In den 1980er Jahren war etwa die Wiederaufbereitungsanlage, die in Wackersdorf angesiedelt werden sollte, eine typische lokale Geschichte, die über Jahre hinweg sogar bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Auch der Watergate-Skandal, der letztlich sogar zum Rücktritt des damaligen US-Präsidenten Richard Nixon geführt hatte, beruhte im Grunde auf einer lokalen Geschichte, nämlich auf den Berichten über einen Einbruch im Watergate-Gebäudekomplex, wo die Demokratische Partei ihr Hauptquartier hatte. Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit dafür, wie ein lokales Thema überregional für Schlagzeilen sorgt, ist die Pannenserie um den neuen Großflughafen der Bundeshauptstadt Berlin.

Welche Bedeutung hat der Lokaljournalismus?

Lange Zeit galt der Lokaljournalismus als Domäne der Tageszeitungen, bei welchen mehr als die Hälfte der Belegschaft der Redaktionen im Lokalen angestellt ist. Im Zuge des Konzentrationsprozesses der Medienlandschaft ist die Bedeutung des Lokaljournalismus zunächst geschrumpft, weil die großen Verlagshäuser in den Lokalredaktionen am massivsten eingespart haben.

Doch seitdem sich in verschiedenen Regionen Deutschlands unabhängige Online-Zeitungen etablieren, die oft von freien Journalisten gegründet wurden, erlebt der Lokaljournalismus eine neue Wertschätzung. Denn der Großteil der Mediennutzer will vor allem über die Ereignisse in seiner Region informiert werden. Das zeigt sich auch bei den regionalen Tageszeitungen. Diese werden oft nur wegen des Lokalteils abonniert, der auch umfänglich gelesen wird. Der Mantelteil wird hingegen oft nur überflogen, weil sich der Mediennutzer über landes- und bundesweite Ereignisse in anderen Medien informiert.

Die Grundlage des modernen Journalismus

Die Geschichte des Lokaljournalismus reicht sehr viel weiter zurück, als die Historie der modernen Medien. Denn schon im alten Rom existierte im ersten vorchristlichen Jahrhundert ein Informationsblatt, das über die aktuellen Ereignisse in der Stadt berichtete.

Dem internationalen Handel ist es zu verdanken, dass auch im Mittelalter lokale Informationen von den Handelsplätzen, die auf Flugblättern verbreitet wurden, gefragt waren. Schließlich sammelte der Straßburger Zeitungsverleger Johann Carolus im 16. Jahrhundert lokale Nachrichten aus den wichtigen Städten entlang den überregionalen Postrouten, die er gesammelt seinen Abonnenten schickte. Dabei handelte es sich größtenteils um Kaufleute, die internationale Handelsbeziehungen pflegten.

Einen regelrechten Quantensprung erlebte die Entwicklung der Medien schließlich Mitte des 19. Jahrhunderts, als die ersten Massenmedien produziert wurden. Der Großteil der Mediennutzer war jedoch nach wie vor an Nachrichten aus der persönlichen Umgebung interessiert, sodass gegen Ende des 19. Jahrhunderts bereits zahlreiche Lokalzeitungen existierten. Diese hatten den Schwerpunkt der Berichterstattung in lokalen Themen und kauften den Mantelteil von überregionalen Medien hinzu.

Die moderne Medienlandschaft entsteht aus dem Lokalen

Die große Bedeutung des Lokaljournalismus wird auch an der Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich: Die Alliierten hatten die ersten Lizenzen an Lokalzeitungen vergeben, die erst in den 1950er und 1960er Jahren zu den heutigen Regionalzeitungen zusammenwuchsen.

Neue Medien fördern die Vielfalt

Während einerseits bei den etablierten Medien die Vielfalt durch Konzentrationsprozesse in den vergangenen Jahren eher abgenommen hat, fördern die Neuen Medien hingegen eine neue Vielfalt. Denn neben Online-Zeitungen gibt es inzwischen auch eine Vielzahl an Online-Fernsehsendern und Radiostationen, die dank des Internets weltweit empfangen werden können, jedoch hauptsächlich über lokale Themen berichten.

Lokaljournalismus hautnah

Der Arbeitstag beginnt in einer Lokalredaktion üblicherweise mit der Redaktionskonferenz. Hier wird vor allem besprochen, wer welche Termine wahrnimmt, welche Themen außerhalb der Veranstaltungen bearbeitet werden und welches Thema sich für den Aufmacher oder einen Kommentar eignet. Koordiniert wird diese Aufgabenteilung ebenso wie die Terminvergabe an freie Mitarbeiter durch den Redaktionsleiter.

Der Vormittag ist bis zum frühen Nachmittag in erster Linie geprägt von der Recherche. Sobald feststeht, wie viel Platz die jeweilige Redaktion erhält, beginnt die eigentliche Produktion der Beiträge, die inzwischen auch bereits mit der Einbindung in das Layout verbunden ist.

Themenfindung und -wahl

Die Themen werden im Lokaljournalismus meist an die Redaktion herangetragen. Denn der Redaktion werden die Termine für Stadt- und Gemeinderatssitzungen ebenso mitgeteilt wie kulturelle Events oder Veranstaltungen von Vereinen. Weil die Lokaljournalisten bei diesen Veranstaltungen zwangsläufig mit den Mediennutzern in direkten Kontakt kommen, erfahren sie bei diesen Gelegenheiten, was die Mediennutzer bewegt und stoßen vielleicht auf das eine oder andere interessante Thema, das einen eigenen Bericht oder eine Reportage wert ist.

Die Recherche unterscheidet sich also im Lokaljournalismus nicht grundlegend von der Vorgehensweise in anderen Ressorts. Der einzige Unterschied besteht in der räumlichen Nähe des Lokaljournalisten zu seinen Informanten. Vielfach steht deshalb statt einer telefonischen Recherche oder Anfragen per Mail das persönliche Gespräch im Vordergrund.

Unterscheidet sich die Berichterstattung im Lokalen in formalen Kriterien?

Grundsätzlich wird im Lokaljournalismus die ganze Bandbreite der journalistischen Darstellungsformen verwendet. Inhaltlich steht jedoch das Lokale absolut im Vordergrund. Das gilt auch für Themen, die eigentlich von überregionaler Bedeutung sind, jedoch auf das Lokale heruntergebrochen werden. Ein klassisches Beispiel hierfür ist etwa, wenn Lokaljournalisten vor Ort recherchieren, wie sich etwa höhere Spritpreise oder eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf die Unternehmen und Bürger vor Ort auswirken können.

Multimedial denken

Seitdem sich das Internet als neues Medium etabliert hat, müssen auch Lokaljournalisten weit über die eigentlichen Grenzen ihres Ressorts und ihres Mediums hinaus denken. Denn Vereine, Kommunen, Verbände und Unternehmen haben mit der Homepage eine eigene Plattform, um über Wissenswertes zu berichten. Diese Nachrichten sind jedoch in der Regel sehr subjektiv gefärbt und nicht nach journalistischen Kriterien erarbeitet. Dennoch reichen sie vielen Mediennutzern als Informationsquelle durchaus aus.

Deshalb hat es sich mittlerweile etabliert, dass Fotos und Videos ebenso wie ein kurzer Anrisstext direkt nach dem Erstellen des Beitrages im Internet veröffentlicht wird. Meist handelt es sich dabei aber nur um Nachrichten, in welchen das Wichtigste kurz zusammengefasst ist. Ein Verweis auf die ausführliche Berichterstattung im Medium fehlt deshalb meist nicht.

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