Kurseinheit F010 Auslandsberichterstattung

Kurseinheit
 
Lernziel Die Teilnehmenden sollen das Berufsbild des Auslandskorrespondenten kennen lernen und einen Einblick in die Auslandsberichterstattung und ihre Besonderheiten erhalten.
 
Studienbriefautor Jürgen Stryjak
 
Belegungsempfehlung Dieser Studienbrief wird Teilnehmenden empfohlen, die interessiert sind, als Auslandskorrespondenten tätig zu werden.
 
Inhalte Der Weg ins Ausland; mein Berufsalltag; die Inhalte; Verwaltung
 
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Die Auslandsberichterstattung

Dass die Welt immer mehr zusammenwächst, spüren die Verbraucher in Deutschland fast täglich am eigenen Leib. So schlagen sich etwa Unruhen in wichtigen Förderländern von Rohstoffen direkt in höheren Preisen nieder. Diese Zusammenhänge zu erklären gehört neben der Berichterstattung zu politischen Ereignissen von internationaler Bedeutung zu den Kernaufgaben des Auslandsberichterstatters. Weil das Aufgabenfeld der Korrespondenten relativ weit gesteckt ist, werden üblicherweise nur Korrespondenten mit einer gewissen journalistischen Erfahrung ins Ausland geschickt. Dennoch ist dieses Aufgabenfeld ein wichtiger Teil der Ausbildung, weil auch die Kollegen in den Heimatredaktionen einen Einblick in die Arbeit haben müssen, um mit den Korrespondenten reibungslos zusammenarbeiten zu können.

Grundsätzlich wird unterschieden zwischen permanenten Korrespondenten und Journalisten, die auf Abruf in eine bestimmte Region geschickt werden. Erstere haben ihre Büros in Ländern, mit welchen Deutschland enge Beziehungen unterhält. Dazu gehören neben der US-amerikanischen Hauptstadt auch europäische Städte wie das internationale Finanzzentrum London oder Brüssel, wo die Europäische Union ihren Sitz hat.

Was unterscheidet permanente Korrespondenten von ihren Kollegen?

Wer als permanenter Korrespondent arbeiten möchte, muss ein Allrounder mit Hintergrundwissen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sein und ein entsprechendes Netzwerk aufbauen können. Zeitweilige Korrespondenten werden nur bei besonderen Anlässen ins jeweilige Land geschickt. Zu dieser Kategorie gehören etwa Kriegsberichterstatter, die von den Krisenherden der Welt berichten, aber auch Journalisten, die hochkarätige internationale Events wie Filmfestspiele, Modewochen oder große Ausstellungen besuchen und darüber berichten. Bei diesen handelt es sich meist um ausgewiesene Experten in ihrem Fachgebiet, die kein fundiertes Hintergrundwissen zu ihrem Gastgeberland benötigen.

Gut vorbereitet ins Ausland

Fundierte Kenntnisse zum jeweiligen Kulturkreis sind die absolute Grundvoraussetzung, damit ein Journalist als Auslandskorrespondent arbeiten kann. Während im westlichen Kulturkreis ein Sprachstudium durchaus ausreicht, sollte der angehende Journalist für exotischere Kulturräume tiefer gehende Kenntnisse mitbringen, um sich schnell in den jeweiligen Kulturkreis einfinden zu können.

Bevor die ersehnte Tätigkeit als Korrespondent aufgenommen werden kann, ist eine sorgfältige Vorbereitung vonnöten. Innerhalb der Grenzen der Europäischen Union gestaltet sich das noch relativ einfach, weil die notwendigen Behördengänge auch vor Ort erledigt werden können - wobei sich die nationalen Eigenheiten außerhalb des deutschen Sprachraumes erheblich voneinander unterscheiden können. Außerhalb der Europäischen Union ist meist ein Visum erforderlich, welches über die ausländische Botschaft oder das Auswärtige Amt beantragt werden kann. Darüber hinaus, vor allem, wenn der Journalist mit Familie ins Ausland geht, muss außerdem der Umzug organisiert werden. Dies sollte über eine internationale Spedition abgewickelt werden, die sich auch um die Zollformalitäten kümmert. Und schließlich muss der Internationale Presseausweis rechtzeitig beantragt werden, damit die Tätigkeit aufgenommen werden kann.

Die eigentliche Tätigkeit

Im Idealfall wird der Journalist von einem Medium direkt an seinen Einsatzort geschickt, wodurch eine Abnahme der Beiträge gewährleistet ist. In den meisten Fällen arbeitet der Auslandskorrespondent aber ähnlich wie ein Lancieren für mehrere Medien und erhält eine Vergütung für alle erschienenen Beiträge. Deshalb ist es für angehende Auslandskorrespondenten unerlässlich, im Vorfeld die notwendigen Kontakte zu knüpfen und sich dadurch schon im Vorfeld mögliche Abnehmer für die Beiträge zu sichern.

Für zwei Herren schreiben

Die Auswahl der Themen erfolgt meist in enger Abstimmung mit dem zuständigen Redakteur. Allerdings muss der Auslandskorrespondent auch die Mediennutzer stets im Blick haben und davon ausgehen, dass diese über keinerlei Hintergrundwissen verfügen. Berichtet der Korrespondent also etwa über die Präsidentschaftswahlen in den USA, sollte er in einem gesonderten Beitrag auch das dortige Wahlsystem mehr oder weniger ausführlich erklären.

Die Wege in den Beruf

Ohne fundierte Sprachkenntnisse bleibt auch dem ambitioniertesten Journalisten der Weg zum Auslandskorrespondenten versperrt. Der klassische Weg führt also meist über ein Sprach- oder ähnliches Studium und ein anschließendes Volontariat oder die Ausbildung an einer Journalistenschule und ein begleitendes Studium in den Beruf des Auslandskorrespondenten.

Der Alltag: eine Herausforderung

Der Alltag stellt für den Auslandskorrespondenten meist eine besondere Herausforderung dar. Eine essenzielle Voraussetzung für die erfolgreiche Arbeit besteht für einen Auslandskorrespondenten also unter anderem darin, sich ein gutes Netzwerk an Informanten aufzubauen, die ihn auch abseits der offiziellen Nachrichtenwege mit Informationen versorgen. Schließlich kennen sie die Medien, für die der Korrespondent arbeitet, in der Regel nicht, weshalb für gute Informationen eine solide Vertrauensbasis geschaffen werden muss. Dieser Aspekt ist vor allem in Ländern wichtig, in welchen die Informanten Repressionen fürchten müssen, wenn sie namentlich zitiert werden. Denn gerade autokratische oder repressive Regimes sind dafür bekannt, dass sie - wenn möglich - alle Veröffentlichungen sammeln und unerwünschte Veröffentlichungen mit Repressalien ahnden.

Allrounder sind gefragt

Welche Fähigkeiten ein Auslandskorrespondent im Einzelnen mitbringen muss, hängt von mehreren Faktoren ab: Bereist er ein Land auf Abruf, um über ein Ereignis zu berichten, sollte er mehrere Mediengattungen beliefern können. Denn neben Tages- und Wochenzeitungen sowie Magazinen kann er unter Umständen auch Radio- oder Fernsehsender beliefern. In diesem Fall sollte er mit der aktuellen Audio- und Videotechnik sowie der entsprechenden Software vertraut sein. Gegebenenfalls reicht es hier aus, wenn er das Rohmaterial liefert, welches im Studio des Senders anschließend professionell geschnitten wird.

Für einen permanenten Korrespondenten gilt darüber hinaus, dass er ressortübergreifend arbeiten können muss. Schließlich berichtet er innerhalb weniger Tage möglicherweise über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Der permanente Auslandskorrespondent arbeitet damit also im Prinzip wie ein Lokaljournalist, nur einige Ebenen höher.

Welchen Standort sollte ein Auslandskorrespondent wählen?

Grundsätzlich sollte ein Auslandskorrespondent nahe am Geschehen vor Ort sein. Wo das im Einzelfall ist, hängt stark vom Einsatz ab. Wer aktuell aus einem Krisengebiet berichtet, muss in der Regel mit den internationalen Einsatzkräften vor Ort zusammenarbeiten und bekommt in gefährlichen Gebieten Unterkunft und Arbeitsmöglichkeit zugewiesen. Wer hauptsächlich aus der hohen Politik oder der Wirtschaft berichtet, kommt um ein Büro in der jeweiligen Landeshauptstadt nicht herum.

Die eigene Vermarktung

Ein reibungsloser Informationsfluss zwischen Auslandskorrespondent und Heimatredaktion ist dank moderner Informationstechnologie selbst aus den entlegensten Winkeln der Welt gegeben. Gerade freie Korrespondenten können diese gewonnene Zeit nutzen, um sich zusätzliche Referenzen zu erarbeiten und neue Einnahmequellen zu erschließen. Sie können sich in ihrem Gastland etwa voll und ganz eigenen Interessen widmen, einen eigenen Blog über ihr Gastland ins Leben rufen und hier Beiträge publizieren, die sie nicht an Medien verkaufen können. Entsprechende Zugriffsraten vorausgesetzt können sie sich dadurch auch ein zweites berufliches Standbein mit attraktiven Einnahmemöglichkeiten aufbauen.

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