Kurseinheit A120 Kreativtechniken 

Kurseinheit
 
Lernziel Die Teilnehmenden sollen die wichtigsten Kreativitätstechniken sinnvoll einsetzen können. Dabei erlernen sie, wie Kreativität und Routine zusammenhängen, welche Faktoren die eigene Kreativität begünstigen und wie sie sie fördern und weiter ausbauen können.
 
Studienbriefautor Dr. Matthias Nöllke
 
Belegungsempfehlung Dieser Studienbrief wird Teilnehmenden empfohlen, die sich zusätzlich gängige Kreativitätstechniken aneignen möchten um ihren journalistische Arbeit zu unterstützen.
 
Inhalte Was ist Kreativität? Der kreative Prozess; spezielle Kreativitätstechniken
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Kreativtechniken

Der Beruf des Journalisten wird üblicherweise zu den kreativen Berufen gezählt, obwohl auch handwerkliche Aspekte eine wichtige Rolle spielen. Auch wenn sich das journalistische Schreiben lernen lässt, ist vom Journalisten dennoch ein hohes Maß an Kreativität gefragt. Das beginnt bei der Herangehensweise an ein Thema inklusive der Auswahl der Gesprächspartner und endet erst bei der Präsentation des Themas. Denn je größer die Konkurrenz in der Medienlandschaft ist, umso mehr ist der Journalist gefragt, wenn es darum geht, den Mediennutzer bei der Präsentation eines Themas zu überraschen, sodass er sich bei diesem Medium und nicht bei der Konkurrenz informiert.

Um kreativ an die Themen heranzugehen, muss er in der Lage sein, die Routine kontrolliert durchbrechen zu können, was sich im Alltag nicht immer gewährleisten lässt. Arbeitet der Journalist in einer Redaktion, ist er trotz aller Freiheiten in ein relativ starres Korsett an Abläufen eingebunden. Der Freelancer kann die tägliche Routine zwar leichter durchbrechen, ist jedoch durch andere Zwänge eingeengt. Allerdings stehen dem Journalisten verschiedene Kreativitätstechniken zur Verfügung, welche ihm das Denken über den eigenen Tellerrand hinaus erleichtern.

Was ist Kreativität?

Kreativität wird definiert als Fähigkeit des Einzelnen oder einer Gruppe, phantasievoll und gestaltend zu denken und zu handeln. Damit Kreativität entstehen kann, sind bestimmte Voraussetzungen notwendig, man spricht dabei nach ihrer englischen Bezeichnung von den vier Ps der Kreativität. Dies sind im Einzelnen die Person, der Prozess, das Produkt und die Umwelt (englisch: press).

Die Voraussetzungen

Bei wem es sich um eine kreative Person handelt, lässt sich nicht genau definieren, jedoch werden kreativen Menschen Eigenschaften zugeordnet, die auch für den Journalisten typisch sind. Dazu gehören Ausdauer, Neugier, Selbstbewusstsein, Risikobereitschaft, aber auch Engagement und die Bereitschaft, neuen Dingen gegenüber offen zu sein. Kreative Menschen müssen in der Lage sein, mehrdimensional zu denken, bereit sein, aus den gewohnten Denkmustern auszubrechen, aber auch komplexe Sachverhalte verstehen zu können. Üblicherweise sind kreative Menschen in der Lage, spontan zu agieren und zu reagieren und von einer langfristigen Planung abzuweichen.

Um aus einer Idee durch den kreativen Prozess ein konkretes Produkt, also einen Beitrag, entstehen zu lassen, benötigen kreative Personen die notwendigen Freiräume, um ihre Kreativität fließen zu lassen. Dazu ist auch ein gewisses Maß an Selbstständigkeit notwendig. Für junge Journalisten bedeutet das: Sie erhalten schon in einem relativ frühen Stadium der Ausbildung Aufgaben zugewiesen, die sie in Abstimmung mit dem Ausbildungsredakteur im Alleingang erledigen und die zunehmend komplexer werden.

Wie läuft der Kreative Prozess im Journalismus ab?

Bevor die Recherche aufgenommen wird, legt der Journalist eine Fragestellung fest, unter deren Gesichtspunkt er das Thema bearbeitet. Als Paradebeispiel darf hier die atomare Wiederaufarbeitungsanlage gelten, die in den 1980er Jahren in Wackersdorf entstehen sollte. Die Absicht der politisch Verantwortlichen lag darin, dass sie Arbeitsplätze in einer strukturschwachen Region schaffen wollten. Die Öffentlichkeit hingegen war zu diesem Zeitpunkt von der stärker werdenden Umweltbewegung auf mögliche Umweltgefahren sensibilisiert. Für viele Journalisten lautete die logische Frage: Welche Auswirkungen könnte eine atomare Wiederaufbereitungsanlage haben?

Im zweiten Schritt verschafft sich der Journalist einen grundsätzlichen Überblick über das Thema und betreibt Hintergrundrecherche. Das geschieht auch vor dem Hintergrund, dass er schon für die ersten Gespräche mit seinen Informanten ein gewisses Hintergrundwissen benötigt, um die richtigen Fragen stellen zu können.

Sobald die entsprechenden Informationen vorliegen, bewertet der Journalist seine Idee neu, ändert sie gegebenenfalls ab und arbeitet sie schließlich aus.

Der letzte Schritt besteht darin, dass er die ausgearbeitete Idee im Rahmen der Berichterstattung ausarbeitet. Natürlich müssen sowohl Recherche als auch Ausarbeitung unter strengen journalistischen Kriterien erfolgen. Die Grundidee des Journalisten kann sich also im Lauf der Recherche auch als nicht haltbar erweisen. In diesem Fall hat er zumindest einen neuen Ansatz für eine Berichterstattung zu einem bestimmten Thema gefunden.

Kreativitätstechniken helfen Ideen finden

Intuitiv nutzt wohl jeder Journalist, der eine bestimmte Zeit lang in seinem Beruf genutzt hat, Kreativitätstechniken. Diese Methoden zur Ideenfindung lassen sich aber auch erlernen und durch regelmäßiges Üben trainieren. Die gängigsten Kreativtechniken im Überblick:

Brainstorming

Beim Brainstorming handelt es sich um die klassische Kreativitätstechnik, die in jeder Reaktionskonferenz angewandt wird. Hierbei wird ein Thema in den Raum gestellt, zu dem jeder spontan seine Ideen äußern kann. Die Ideen werden zunächst ohne jegliche Wertung notiert. Genutzt wird diese Kreativitätstechnik vor allem, wenn ein bestimmtes Thema von mehreren Journalisten unter verschiedenen Gesichtspunkten bearbeitet wird.

Mindmapping

Nach einem ähnlichen Prinzip wie das Brainstorming funktioniert das von Tony Bzuan eingeführte Prinzip des Mindmapping. Dabei werden die Stichpunkte, die während des Brainstormings gesammelt wurden, in einen Bezug miteinander gesetzt, sodass ein sogenanntes Baumdiagramm entsteht. Mind-Maps bieten den Vorteil, dass sie sich von den Teilnehmern, die daran mitgewirkt haben, relativ einfach einprägen lassen. Journalisten, die unter verschiedenen Aspekten an einem Thema arbeiten, haben dadurch das gesamte Themenfeld im Überblick und können entsprechend reagieren, wenn sich während ihrer Recherche ein völlig neuer Aspekt ergibt.

Alphabetische Liste

Hierbei handelt es sich um eine Kreativitätstechnik, die sowohl in der Gruppe, als auch einzeln durchgeführt werden kann. Die Begriffe, die dem Journalisten zu einem Thema einfallen, werden in alphabetischer Sortierung aufgelistet. Dafür bietet es sich an, mit Karteikarten zu arbeiten, wobei jede Karte für einen Buchstaben des Alphabets steht. Durch das Sammeln der Begriffe können mögliche Ansatzpunkte für das Thema aufgespürt werden.

Die Osbourne Checkliste

Bei der Osbourne Checkliste wird ein Thema in Verbindung mit verschiedenen Verben verwendet. Ursprünglich wurde die Liste in den 1950er Jahren entwickelt, um aus bestehenden Produkten neue zu entwickeln. Auch diese Technik lässt sich sowohl in der Gruppe als auch alleine umsetzen.

Reizwortanalyse

Bei der Reizwortanalyse werden zufällig ausgewählte Sprachbilder oder Worte, die beispielsweise auf einer beliebigen Seite im Lexikon stehen, zur Lösung genutzt. Diese Kreativitätstechnik zielt darauf ab, aus dem Zufallselement eine Assoziation zu erzeugen, um eine neue Idee wachsen zu lassen.

Die mentale Provokation

Bei der Provokationstechnik wird eine bestehende Sichtweise in Frage gestellt, woraus die neue Idee entstehen kann. Diese Technik dient dazu, Möglichkeiten heranzuziehen, die normalerweise ausgeschlossen würden.

Imaginationstechnik

Bei dieser Technik, die nicht nur in der Gruppe hervorragend funktioniert, stellt sich der Journalist die klassische "Was wäre wenn?" Frage und sucht anschließend Fakten, welche diese These bestätigen oder widerlegen. Diese Kreativitätstechnik hat in der Vergangenheit beim Aufdecken diverser Skandale wie der Watergate-Affäre geholfen.

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