Kurseinheit A100 Moderieren

Kurseinheit
 
Lernziel Die Teilnehmenden sollen die Aufgaben und Anforderungen an Moderatoren kennen und in der Lage sein, zwischen unterschiedlichen Moderationsformen zu unterscheiden sowie die Prozessschritte und Methoden von Moderationen anzuwenden.
 
Studienbriefautor Dr. Stefan Wachtel und Dipl.-Staats- und Sozialwiss. Daniel Moj
 
Belegungsempfehlung Dieser Studienbrief wird Teilnehmenden empfohlen, die sich Grundkenntnisse der Moderation aneignen möchten.
 
Inhalte Werbung um Gefolgschaft – Aufgaben der Moderation; Planung schafft Sicherheit – Aufbau und Inhalt von Moderationen; Mut oder Vorbereitung – freie, vorgelesene und auswendig gelernte Moderationen; Geschriebenes erklären – Moderationen leben von der Stimme; Moderieren ist Körperarbeit – Präsentation vor Mikrofon und Kamera.
 
Notengewichtung
 
einfach
 
Leseprobe Download

[Zurück zum Lehrgangsaufbau]

Moderieren

Das klassische Aufgabenfeld findet der Moderator in erster Linie bei Hörfunk und Fernsehen. Hier leitet er Diskussionsrunden oder führt durch die komplette Sendung. Darüber hinaus ist der Moderator im Umfeld von Magazinsendungen gefragt, wenn es darum geht, einzelne Beiträge an- oder abzumoderieren. Er bildet damit gewissermaßen die Schnittstelle zwischen Journalisten, Medium und Mediennutzer. Darüber hinaus gibt er dem Sender oder dem Format ein Gesicht und eine Stimme. Obwohl die Moderation als klassische Domäne von Radio- und Fernsehjournalisten gilt, kann auch für Printjournalisten das Wissen um eine gelungene Moderation nicht schaden. Sie werden als neutrale Moderatoren etwa im Wahlkampf oder bei Charity-Veranstaltungen geschätzt.

Welche Rolle erfüllt der Moderator?

Je nach Medium und Format erfüllt der Moderator eine Vielzahl von Rollen. In allen Funktionen ist den Moderatoren jedoch gemein, dass sie sich nicht zwangsläufig an das Gebot der journalistischen Neutralität halten müssen oder sollten.

Am neutralsten verhält sich der Moderator als Leiter von Gesprächsrunden sowie als Moderator bei Formatsendungen im Radio. Abgesehen von politischen Sendungen darf sich hier die Präsentation der Sendung durchaus tendenziös zeigen, weil es sich dabei meist um Magazinformate mit unterhaltendem Charakter handelt.

Bei An- und Abmoderationen erfüllt der Moderator die Funktion eines Werbeträgers für das Medium. Er soll die Mediennutzer neugierig auf die folgenden Sendungen machen und deshalb den Inhalt der Fortsetzung oder der folgenden Sendung kurz anteasern.

Diese Anforderungen müssen Moderatoren erfüllen

Weil die wesentliche Aufgabe des Moderators darin besteht, um die Gefolgschaft der Mediennutzer zu werben, muss er in erster Linie sympathisch wirken. Arbeitet er für Fernsehsender ist neben einer angenehmen Stimme eine ansprechende Optik unverzichtbar für einen Moderator. Weil im Radio - anders als im Fernsehen - nicht mit Bildern gearbeitet werden kann, kommt es hier sehr viel mehr auf eine gute Stimme und eine verständliche Aussprache an.

Die verschiedenen Arten der Moderation

Grundsätzlich werden 16 Arten von Moderationen unterschieden, die größtenteils allerdings im Wissenstransfer zwischen Lehrer und Gruppe angesiedelt sind. Für Journalisten interessant ist neben der Veranstaltungsmoderation und der Moderation von Pressekonferenzen, die der Gesprächsleitung bei einem Gruppengespräch ähnelt, vor allem die Medien-Moderation, die sich wiederum in zwei Arten unterteilen lässt:

- Bei der Vordergrund-Moderation steht der Moderator im Vordergrund, der sich auch mit seiner Person in den Ablauf einbringt. Das bekannteste Beispiel aus diesem Bereich dürfte die Sendung "Wetten dass" sein.

- Bei der Hintergrund- oder Medien-Moderation tritt der Moderator eher in den Hintergrund. Von dort aus beeinflusst er ähnlich dem Regisseur den Ablauf, während die Gäste im Vordergrund stehen.

Wer textet die Moderation?

In aller Regel textet der Moderator seine Moderation selbst. Weil er oft im direkten Dialog mit dem Publikum steht, kennt er die Wünsche und vor allem die Sprache der Mediennutzer besser als das Team im Hintergrund. Die Ausnahme von dieser Regel bilden Sendungen, in welchen fast zeitgleich mit den Ereignissen berichtet wird. Das gilt beispielsweise bei Wahlen oder außergewöhnlichen Ereignissen, wie es in jüngerer Vergangenheit etwa Nine-Eleven darstellte. Hier kann sich der Moderator aus Gründen der Aktualität nicht selbst mit dem Thema befassen, sondern kann nur präsentieren, was ihm die Kollegen zuliefern.

Für das Texten der Moderation kann der Moderator auf eine Vielzahl von Floskeln und Redewendungen zurückgreifen. Diese werden bei Bedarf individualisiert und aktualisiert.

Vorbereitung oder nicht?

Wie viel Vorbereitung der Moderator in seinen Auftritt investiert, hängt von der individuellen Arbeitsweise ab. Als Extrembeispiele gelten Moderatoren, welche ihre gesamte Moderation im Vorfeld auswendig lernen, aber auch solche, die völlig frei moderieren, was etwa das Markenzeichen von Thomas Gottschalk war. Meist arbeiten Moderatoren allerdings eher mit einer Kompromisslösung: Sie bereiten einen Stichpunktzettel vor und sprechen ansonsten frei. Beim Fernsehen können sie zur Sicherheit auf einen Teleprompter zurückgreifen, in dem der komplette Text abgespielt wird.

Die Macht der Stimme

Weil die Moderation vor allem von der Stimme des Sprechers lebt, sollte dieser verschiedene Sprechmuster kennen. Der Grund: Bei einer politischen Sendung oder bei tragischen Ereignissen ist eine andere Sprache gefordert als bei einer seichten Unterhaltungssendung oder einer eher werblich formulierten An- oder Abmoderation. Der Sprecher muss sowohl seine Atmung als auch seine Stimme unter Kontrolle haben, um situationsabhängig den richtigen Tonfall zu treffen.

Weil dies auch für Vollprofis nicht immer leicht ist, haben sich viele Moderatoren auf ein bestimmtes Genre wie Unterhaltungs- oder Talkshows spezialisiert. Sie können durch regelmäßiges Sprachtraining aber gezielt an ihren Fähigkeiten arbeiten und diese kontinuierlich verbessern.

Teilweise wird die Stimme aber auch vom Umfeld, in dem die Moderation erfolgt, beeinflusst. Weil die Akustik selbst in verschiedenen Studios unterschiedlich sein kann, wird bei Live-Sendungen im Unterhaltungsprogramm der Ablauf der Sendung vor der eigentlichen Ausstrahlung zunächst geprobt. Der Moderator hat dadurch die Möglichkeit, alle wichtigen Faktoren wie Stimmlage, Betonung, Sprechtempo und Lautstärke abzuändern. Als zusätzliche Hilfestellung verfügt die Regie über sogenannte Sprechzeichen. Mit diesen kann dem Moderator angezeigt werden, ob er lauter oder leiser sprechen soll oder mehr Pausen einlegen soll. Diese sind auch für Radiomoderatoren, die im Gegensatz zu ihren Kollegen beim Fernsehen keinen direkten Kontakt mit dem Publikum haben.

Der ganze Körper ist gefragt

Bei einer gelungenen Moderation arbeitet der ganze Körper. Schließlich wird die Stimme des Menschen erheblich von Gestik, Mimik und Bewegung beeinflusst. Das bedeutet: Wie die Stimme klingt, hängt beispielsweise davon ab, ob die Muskeln angespannt oder entspannt sind. Grundsätzlich sollte die Gestik das gesagte unterstreichen. Das muss allerdings auch nicht übertrieben werden, denn wenn die Körpersprache mit dem Gesagten harmoniert, empfängt der Mediennutzer diese Signale auf der Ebene des Unterbewusstseins.

Die natürlichen Werkzeuge des Körpers, also die Körpersprache sowie Gestik und Mimik setzen Journalisten aber auch unabhängig von der Moderation ein. Beispielsweise wird ein Journalist, der telefonisch recherchiert, meist sehr viel besser an die notwendigen Informationen kommen, wenn er während des Gesprächs lächelt. Der Grund: Das Lächeln bewirkt, dass die Stimme freundlicher klingt, was wiederum den Gesprächspartner eher dazu animiert, dem Journalisten die gewünschten Informationen zu geben.

Wer also regelmäßig mit seinem Körper arbeitet, lernt automatisch, wie er typische Fehler, etwa ein Nuscheln, verhindern kann. Um Gestik, Mimik und Körpersprache zu beherrschen, ist es notwendig, den eigenen Körper gut zu kennen und zu beherrschen. Ein regelmäßiges Sportprogramm ist deshalb für einen guten Moderator Pflicht und zugleich die Basis für eine gute und erfolgreiche Arbeit.

[Zurück zum Lehrgangsaufbau]