Kurseinheit A050 Kleintexte: Überschrift, Vorspann, Bildunterschrift

Kurseinheit
Lernziel Die Teilnehmenden sollen die sprachlich-stilistischen Voraussetzungen für gute Überschriften, Vorspänne und Bildunterschriften kennen und beim Verfassen eigener und Redigieren fremder Texte anwenden können.
 
Studienbriefautor Dipl.-Pol. Markus Reiter
 
Belegungsempfehlung Dieser Studienbrief baut auf A040 Journalistische Stilistik auf und vertieft diesen. Er wird Teilnehmenden empfohlen, die sich genauer mit der Stilistik von zentralen journalistischen Textbestandteilen beschäftigen möchten.
 
Inhalte Warum Kleintexte so wichtig sind; die Überschrift; der Vorspann; Bildunterschriften.
 
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Kleintexte

Im redaktionellen Alltag werden die sogenannten Kleintexte, also Überschrift, Vorspann und Bildunterschrift, sehr oft eher nebenbei erstellt. Doch gerade diese Arten von Texten sind extrem wichtig, wenn es darum geht, den Leser aufmerksam zu machen und zum Lesen des Textes zu animieren. Deshalb gelten auch für diese Kleintexte besondere Kriterien, die nahezu für alle Print- und Onlinemedien gelten.

Warum sind die Kleintexte so wichtig?

Dass die Kleintexte im Journalismus so wichtig sind, liegt am Leseverhalten des Mediennutzers: Ist ein Beitrag bebildert, betrachtet er zuerst das Foto inklusive Bildunterschrift, als nächstes die Überschrift. Erst wenn ihn diese ebenfalls anspricht, liest er die Unterzeile und den Vorspann. Nur wenn auf all diesen Ebenen das Interesse des Mediennutzers geweckt ist und bestehen bleibt, liest er tatsächlich den kompletten Beitrag.

Diese Kleintexte stellen also den Einstieg für den Leser dar. Für angehende Journalisten gelten die Kleintexte auch aus einem anderen Grund als extrem wichtig: Sie lernen beim Verfassen das Leseverhalten ihrer jeweiligen Zielgruppe sehr gut kennen und können sich auch beim Verfassen anderer Beiträge darauf einstellen. Schließlich muss sich der Journalist mehr als bei allen anderen journalistischen Formen unmittelbar in seinen Leser hineinversetzen.

Gibt es unterschiedliche Formen der Überschrift?

Grundsätzlich wird zwischen der nachrichtlichen und der lockenden Überschrift unterschieden. Erstere werden in journalistischen Genres verwendet, bei welchen der Informationsgehalt des Beitrags im Vordergrund steht, also üblicherweise bei Bericht und Nachricht. Lockende Überschriften hingegen werden verwendet, wenn die persönliche Meinung des Journalisten in den Beitrag mit einfließt. Grundsätzlich muss eine Überschrift folgende Eigenschaften aufweisen: Sie muss eine klare Aussage haben, welches die zentrale Aussage des ausführlichen Beitrages darstellt. Darüber hinaus muss die Nachricht unmissverständlich formuliert und leicht zu erfassen sein. Und schließlich sollte die Überschrift einen Anreiz für den Leser bieten.

Die nachrichtliche Überschrift

Die nachrichtliche Überschrift sollte die Kernaussage des Beitrages kurz und prägnant zusammenfassen. Der Journalist und Fachautor Wolf Schneider definiert die Überschrift als Nachricht über der eigentlichen Nachricht. Die Überschrift muss also verständlich sein, darf nicht kommentieren und sollte den sogenannten Küchenzuruf knapp zusammenfassen. Dieser Ausdruck wurde von Stern-Gründer Henri Nannen geprägt und besagt im Grunde Folgendes: Ein journalistischer Text muss so verfasst sein, dass der Leser die Kernaussage in wenigen kurzen Sätzen - eben dem Küchenzuruf - zusammenfassen kann.

Um eine prägnante Überschrift zu verfassen, muss der Journalist ein gewisses Maß an Vorkenntnis beim Leser voraussetzen. Dies ist auch für einen routinierten Journalisten nicht immer einfach, zumal bei Fachmedien mehr Hintergrundwissen erwartet werden darf als bei Publikumsmedien. Eine besondere Herausforderung stellt die Formulierung der Überschrift für Journalisten bei Printmedien dar. Hier müssen sie neben inhaltlichen Kriterien nämlich außerdem gestalterische Vorgaben, die sich durch das Layout ergeben, beachten.

Auf Satzzeichen am Schluss einer Überschrift verzichten die meisten Redaktionen. So sind Ausrufezeichen lediglich bei Boulevardmedien üblich, die damit den reißerischen Charakter einer Überschrift unterstreichen. Ob Fragezeichen erlaubt sind, wird in den Redaktionen unterschiedlich gehandhabt.

Bei größeren Berichten wird unter die Überschrift üblicherweise eine Unterzeile gesetzt. Diese hat meist einen rein informativen Charakter und gibt dem Leser ergänzend zur Kernaussage weitere Informationen zum Thema.

Lockende Überschriften

Lockende Überschriften sind eigentlich von Publikumszeitschriften her bekannt, gewinnen aber auch für Tageszeitungen und vor allem für Online-Journalisten eine immer größere Bedeutung. Diese Art von Überschrift soll den Leser in erster Linie auf den folgenden Beitrag neugierig machen. Deshalb kann die lockende Überschrift durchaus auch einen kommentierenden Charakter haben.

Gängige Methoden zum Erstellen einer lockenden Überschrift sind:

- Das Verwenden von Lockwörtern, die beim Mediennutzer einen reflexartigen mentalen Prozess auslöst.

- Das Verwenden von Begriffen, die eine bestimmte Emotion beim Mediennutzer auslösen.

- Ein Nutzwertversprechen für den Leser durch den folgenden Beitrag.

- Wortspiele oder Anspielungen auf berühmte Film- oder Buchtitel oder Sprichwörter. Dazu gehören auch Reime und Stabreime.

Zwischentitel

Meist dienen Überschriften in erster Linie der besseren Gestaltung und Strukturierung vor allem eines längeren Textes. Dennoch sollte der Journalist auch bei den Zwischenüberschriften ein Augenmerk auf den Informationsgehalt legen. Hier wird üblicherweise die Kernaussage der nächsten Absätze zusammengefasst. Bei längeren Texten mit mehreren Zwischenüberschriften kann sich der Mediennutzer bereits im Vorfeld einen Überblick über die Struktur des Textes verschaffen.

Der Vorspann

Der Vorspann sollte den Leser ebenfalls über die zentralen Inhalte des Artikels informieren, aber auch zum Weiterlesen animieren. In einem nachrichtlichen Vorspann werden deshalb alle wichtigen Fakten und Informationen, die im weiteren Bericht ausgeführt werden, kurz genannt. Dadurch soll einem Mediennutzer ermöglicht werden, die wichtigen Informationen schnell zu erfassen, wenn ihm die Zeit für ausführliches Lesen fehlt. Der lockende Vorspann hingegen erfüllt dieselbe Funktion wie die lockende Überschrift und ist entsprechend aufgebaut.

Der Journalist kann auf zwei Arten an einen Vorspann herangehen. Er kann den Vorspann entweder direkt verfassen, nachdem er das Recherchematerial durchgegangen ist und schreibt sich damit gewissermaßen selbst die Gliederung in Form einer kurzen Nachricht vor. Oder aber er schreibt den Vorspann zum Schluss, nachdem er den eigentlichen Artikel noch einmal durchgegangen ist. Der lockende Vorspann entsteht ebenso wie die lockende Überschrift häufig durch lockeres Teamplay mit den Kollegen.

Die Bildunterschrift

Wie mehrere Blickverlaufsstudien gezeigt haben, betrachten etwa 90 Prozent der Leser zunächst das Foto, bevor sie sich dem Vorspann zuwenden. Weil also das Bild den Einstieg in den eigentlichen Text darstellt, werden üblicherweise keine Fotos ohne Bildunterschrift verwendet. Der Journalist sollte für das Verfassen dieses elementar wichtigen Textes einige Regeln beachten:

- Die Bildunterschrift beschreibt kurz das gezeigte Motiv. Idealerweise sollte außerdem ersichtlich werden, wann und wo das Bild entstanden ist. Deshalb muss die Bildunterschrift auch eindeutig einem bestimmten Foto zugeordnet werden können.

- Die Bildunterschrift sollte den Mediennutzer zum Weiterlesen animieren, weshalb gern einige Fakten aus dem eigentlichen Beitrag hier genannt werden können.

- Die Bildunterschrift muss korrekt sein. Das gilt nicht nur für die Rechtschreibung, sondern auch für die Bezeichnung des Motivs. Hier können sich unter Umständen Fehler einschleichen, wenn der Journalist, der die Endgestaltung übernimmt, Text und Bildmaterial nicht selbst erstellt hat.

- Text-Bild-Scheren sollten vermieden werden. Ein klassisches Beispiel für eine derartige Schere ist etwa, wenn über Arbeitslosigkeit berichtet wird und auf dem Foto ein Handwerker bei seiner Tätigkeit dargestellt wird. Dieser Fehler schleicht sich vor allem dann ein, wenn kein Foto gezielt für den eigentlichen Beitrag gemacht, sondern auf allgemeine Bilder zurückgegriffen wird, weil die Redaktion nicht auf eine Optik verzichten möchte.

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