Kurseinheit A005 Themenfindung

Kurseinheit
Lernziel Die Teilnehmenden sollen das Themenspektrum verschiedener Mediengattungen kennen und bewerten lernen. Hierbei erlernen sie zunächst die wichtigsten Kriterien für ein journalistisches Thema kennen, um anschließend eine gezielte Themenrecherche und -formulierung durchzuführen. Darüber hinaus vermittelt der Studienbrief mögliche Orte und zielgerichtete Strategien für die eigene Themenfindung sowie das recherchierte Thema abschließend an eine Redaktion zu verkaufen.
 
Studienbriefautor Barbara Hallmann
 
Belegungsempfehlung  Dieser Studienbrief richtet sich an Teilnehmende, die sich mit der Strategie der Themenfindung, deren Recherche und der Themenformulierung vertraut machen wollen.
 
Inhalte Themen in den Medien und ihre Quellen, die Nachrichtenauswahltheorien und ihre Folgen, Strategien der Themenrecherche, Vermarktung der eigenen Leistung.
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Die Themenfindung

Die Themenfindung gehört zu den absoluten Schlüsselqualifikationen eines Journalisten, weshalb dieser Aspekt einen besonderen Schwerpunkt zu Beginn der Ausbildung darstellt. Denn angesichts der riesigen Medienvielfalt ist es zunehmend wichtiger, zielsicher die Themen aufzugreifen, welche für die Nutzer des eigenen Mediums interessant und wichtig sind. Und natürlich ist es ebenso wichtig, die Themen so aufzubereiten, dass sich der Mediennutzer gern mit dem Thema befasst. Freie Journalisten, die in der Regel für mehrere Medien arbeiten, müssen außerdem noch das richtige Medium für ihre Geschichte finden und das Thema gegebenenfalls mehrfach zielgruppengerecht bearbeiten. Weil die Themenfindung bei allen Medien und in allen Ressorts gefragt ist, beleuchtet die entsprechende Kurseinheit alle Facetten.

Die Nachrichten filtern

Im Alltag wird der Journalist üblicherweise mit einer wahren Flut an Informationen eingedeckt. Parteien, Vereine, Verbände und Behörden besitzen ebenso wie große Unternehmen einen Pressesprecher oder eine eigene Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit. Diese Stellen versorgen die Redaktionen ebenso mit Informationen wie Nachrichtenagenturen und diverse Online-Presseverteiler. Für die Redaktion oder den freiberuflichen Journalisten bedeutet das: Er muss aus dieser Flut zunächst die für seine Zielgruppe relevanten Informationen herausfiltern und anschließend festlegen, welche Stilform für die Darstellung gewählt wird.

Ressortübergreifendes Denken

Auch andere Medien können Anregungen dafür liefern, welche Themen aufgegriffen werden und wie sie im eigenen Medium präsentiert werden. Bei wichtigen Themen, die nahezu von allen Publikumsmedien aufgegriffen werden, etwa die Berichterstattung zu Landtags- oder Bundestagswahlen, kann etwa die Form der Präsentation sein. Statt beispielsweise nüchtern über den Wahlausgang zu berichten, ist eine Reportage zum Wahltag ein beliebter Kunstgriff: der Journalist begleitet den oder die Kandidaten am Wahltag und zieht anschließend die Geschichte von der menschlichen Seite her auf. Dabei hat der Journalist außerdem die Gelegenheit, ausführliche Hintergrundgespräche mit den Kandidaten zu führen und kann Ideen für die Berichterstattung in den nächsten Wochen sammeln.

Auch Nachrichten, die im Hauptmedium nur eine Meldung wert sind, können durchaus das Potenzial für ganze Beitragsserien haben. Werden zum Beispiel Bundesbehörden neu strukturiert, kann dies durchaus Auswirkungen auf die Berichterstattung in verschiedenen Medien haben, wie es etwa Ende der 1990er Jahre mit der Reform von BGS und Bundeswehr der Fall war. Neben den Lokalteilen waren Standortschließungen von personalstarken Standorten, die in der Region auch einen Wirtschaftsfaktor darstellen, durchaus auch längerfristig ein Thema in der regionalen Wirtschaft. Im Politikressort hingegen bot dieses Thema neben einer ausführlichen Hintergrundberichterstattung eher wenig Potenzial.

Recherche: gut geplant ist halb gewonnen

Sobald das Thema feststeht, gilt es, einen Rechercheplan aufzustellen. Die erste Anlaufstelle stellt der ursprüngliche Informant dar, der vielleicht noch wichtige Details liefern kann. Anschließend gilt es gegebenenfalls, die Informationen auf ihre Stichhaltigkeit zu überprüfen und die Fakten zu überprüfen. Beliebte Anlaufstellen sind in diesem Zusammenhang Behörden und Fachstellen, aber auch Verbände und sogenannte Nichtregierungsorganisationen. Mit welchen stellen gesprochen wird, hängt vom Thema und der Zuständigkeit ab.

Themen außerhalb der offiziellen Kanäle finden

Das private Umfeld

Wer journalistisch arbeitet, sollte außerdem ein grundsätzliches Interesse an vielen Themen mitbringen. Denn sehr oft stellt sich das private Umfeld als beste Quelle für neue Ideen heraus. Gibt es bei Partys im Freundeskreis oder bei Familienfeiern Themen, die das Gespräch beherrschen? Vor allem Journalisten, die für Lokal- oder Regionalredaktionen arbeiten, erfahren bei diesen Gelegenheiten, was ihre potenziellen Leser, Hörer und Zuschauer bewegt. Mit gezieltem Nachfragen lassen sich hier möglicherweise schon eventuelle Ansprechpartner für die spätere Recherche ausmachen.

Durch die Mitgliedschaft in Vereinen lassen sich ebenfalls durchaus Themen finden, welche nicht durch die offiziellen Nachrichtenkanäle geschleust werden. Vielleicht hat das eine oder andere Vereinsmitglied ein außergewöhnliches Hobby, das eine gute Reportage ergibt oder ein anderes Vereinsmitglied hat etwas Besonderes geleistet, das eine Berichterstattung wert ist. Gerade in der nachrichtenarmen Zeit lässt sich hier so manche gute Geschichte finden.

Fachlicher Austausch

Ein guter Draht zu Kollegen aus anderen Medien ist für die eigene Themenfindung ebenso hilfreich wie mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen. Während es von den Kollegen möglicherweise den einen oder anderen Tipp geben kann, sind an zahlreichen öffentlichen Plätzen, in Supermärkten und bei Behörden Pinnwände angebracht. Neben Terminen, die im redaktionellen Alltag vielleicht untergehen, steckt hier möglicherweise auch die eine oder andere Geschichte. Werden beispielsweise außergewöhnlich viele Hunde oder Katzen vermisst, steckt dahinter vielleicht eine Geschichte, der es sich nachzugehen lohnt.

Wichtige Informationen gibt es für den Journalisten auch bei Fachmessen und Verkaufsausstellungen. In der Vergangenheit boten diese etwa zahlreiche Hintergrundinformationen zum Thema erneuerbare Energien, das im Zuge der von der rotgrünen Bundesregierung eingeläuteten Energiewende Thema in nahezu allen Medien war.

Recherche vom Büro aus

Auch überregionale Medien und insbesondere die neuen Medien stellen eine wichtige Informationsquelle dar. Verbrauchermagazine können ebenso Anregungen für Themen, die in der Region noch nicht berücksichtigt wurden, liefern wie Blogs, die von ambitionierten Amateuren betrieben werden. Regelmäßig zur Entspannung zu surfen und auf Blogs oder in diversen Plattformen zu surfen, hat schon so manche gute Geschichte zu Stande gebracht. Unverzichtbar ist deshalb für angehende Journalisten das eigene Profil auf sozialen Plattformen wie Facebook. Denn hier lassen sich viele Nutzer nahezu ungefiltert aus und geben dem Journalisten einen Anhaltspunkt für die Gewichtung eines Themas.

Gezielte Recherche im Netz

Darüber hinaus erleichtert das Internet die Recherche erheblich. Viele Fakten lassen sich bereits im Netz abklären, sodass der Journalist anschließend zielgerichtet nachfragen kann und vielleicht sogar auf ganz neue Aspekte stößt, die er vorher nicht berücksichtigt hatte. Die Faktenrecherche wird deshalb gerne über die Homepages von Kommunen, Behörden und Ministerien erledigt. Wichtige Hintergrundinformationen für zahlreiche Themen liefert außerdem die Online-Enzyklopädie Wikipedia.

Die Geschichte richtig verkaufen

Das eigene Thema gut zu verkaufen ist für Freelancer, welche die Auswirkungen direkt an ihrem Kontostand spüren, ebenso wichtig wie für Journalisten in Festanstellung. Möglichst viele Geschichten an prominenter Stelle mit voller Namensnennung präsentieren zu können, kann sich durchaus positiv oder negativ auf die nächsten Gehaltsverhandlungen auswirken. Sie müssen deshalb in der Redaktionskonferenz eine möglichst gut abgerundete Geschichte präsentieren und erklären können, warum diese im jeweiligen Ressort veröffentlicht werden muss. Freelancer hingegen müssen bis zum Verkauf einer Story gegebenenfalls mit mehreren Medien verhandeln und ihre Story so aufbereiten, dass sie für das jeweilig Medium und ihre Nutzer auch wirklich interessant ist. Das bedeutet: Gegebenenfalls muss das Thema mehrfach von Grund auf neu bearbeitet werden. 

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